Löwenbändiger

Der erste Auswärtssieg ist unter Dach und Fach. In einem torreichen Spiel haben die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld am Mittwochabend beim favorisierten Bergischen HC mit 43:35 (21:17) gewonnen. „Wir haben wirklich gut gespielt“, sagt der Trainer Günter Schweikardt. Für den selbst ernannten Titelaspiranten war’s derweil der Tiefpunkt der bisherigen Saison, die Schlusssirene eine Erlösung.

Die Erleichterung über den ersten doppelten Punktgewinn in fremder Halle war dem Bittenfelder Coach auch noch Stunden nach dem Erfolg anzumerken. Besonders angetan war Schweikardt von der Angriffsleistung der Seinen. 60 Angriffe, 43 Tore – viel besser hätte die Bilanz in der Offensive nicht ausfallen können. „Wir haben von Beginn an konzentriert gespielt und uns so gut wie keine Fehlwürfe geleistet“, sagt Schweikardt, der einmal mehr auch mit der Abwehrleistung zufrieden sein konnte – trotz der 35 Gegentreffer. Indes: das Spiel war temporeich, beide Teams suchten im Angriff zügig die Entscheidung.

Zweimal waren die Gastgeber, die nun punktgleich mit dem TV Bittenfeld auf dem vierten Platz stehen, in Führung: beim 1:0 und beim 2:1. Die erste Führung der Gäste markierte der mit einem Zweifachspielrecht ausgestatte Göppinger Bundesliga-Spieler Kai Häfner. Der Juniorennationalspieler durfte ebenso wie der vom Landesligisten SG Schorndorf gekommene Dominik Weiß von Beginn an im Rückraum ran. Letzterer, sagt Schweikardt, habe sich im Training gut entwickelt und die Chance verdient. Eine Chance, die der 2,07 große 20-Jährige auch nutzte. Weiß erzielte sechs Treffer, fünf davon in den ersten 30 Minuten. Ebenfalls ein tolles Spiel machte Häfner, dem zuletzt gegen die TSG Groß-Bieberau noch ein wenig die Bindung zum Bittenfelder Spiel gefehlt hatte. „Er hat für Entlastung auf der rechten Rückraum- und der Außenposition gesorgt“, sagt Schweikard. Und obendrein traf der Linkshänder fünfmal. „Kai hat prima gespielt.“ Ebenso wie Jürgen Schweikardt, der auf der Spielmacherposition klug Regie führte.

Dass die Gastgeber nicht wie gewohnt ihr schnelles Angriffsspiel umsetzen konnten, lag vor allem daran, dass es den Bittenfeldern gut gelang, deren so genannte Schnelle Mitte zu unterbinden. So konnte sich die TVB-Abwehr stets gut formieren. „Im zweiten Durchgang sind wir sogar noch ein wenig besser gestanden“, sagt Günter Schweikardt. Betrug der Vorsprung der trotz aller Vorschusslorbeeren als Außenseiter angereisten Bittenfelder in der ersten Hälfte maximal vier Tore, hatte der Bergische HC dem Angriffswirbel des TVB spätestens ab der 40. Minute nichts mehr entgegenzusetzen. Auch die Auszeit, die HC-Coach Raimo Wilde in der 42. Minute genommen hatte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Obschon seine Entourage fortan mit einer offensiven 4:2-Deckung die Bittenfelder in die Schranken weisen wollte, trafen diese fast nach Belieben weiter. Mit guten Kombinationen ließen sie ihre Kontrahenten ein ums andere Mal alt aussehen. „Wir haben diese Aufgabe wirklich sehr gut gelöst“, freut sich denn auch Günter Schweikardt.

Letztlich war denn auch der Sieg des Außenseiters gegen den Aufstiegsaspiranten in der Bayer Sporthalle in Wuppertal vor 1000 Zuschauer nie in Gefahr und auch in der Höhe verdient. Wie viel die beiden nicht zwingend einkalkulierten Punkte allerdings wirklich wert sind, wird sich erst am Samstag zeigen. Die Rechnung ist einfach: Nichts, wenn der TVB zu Hause gegen die HSG Frankfurt/Rhein-Main verliert, viel, wenn die Mannschaft auch diese Begegnung gewinnt.

Bergischer HC: Stochl, Huhnstock; Hoße (2), Vitek (9/1), Hinze (4), Klev (5), Quin (2), Moen Kleve (4), Kluge (1), Henkel (3), Reinarz (5), Fuchs, Quade.

TV Bitttenfeld: Rutschmann (1.-30.), Sdunek (31.-60); Seitner (6), Schöbinger (1), Weiß (6), Lenz (5), Schweikardt (3/1), Heib (8/3), Baumgarten (5), Wehner, Häfner (5), Hauk (3), Drobek (1).


Pressespiegel BHC