Gefühlter Sieg, unruhige Nacht

(twa) Die 1200 Fans in der Bittenfelder Gemeindehalle feierten ihren TVB noch lange nach Spielschluss. Der Handball-Zweitligist hatte den Erstligisten Rhein-Neckar-Löwen mit einer Klasseleistung fast aus dem DHB-Pokal geworfen. Aber eben nur fast. Deshalb überwog bei den Bittenfeldern nach einer unruhigen Nacht die Enttäuschung.

Für die Zuschauer in der Gemeindehalle war der TV Bittenfeld nach dem 32:33 der moralische Sieger. Diejenigen indes, die zu Hause das Pokalspiel am Liveticker verfolgten oder dem Teletext des Deutschen Sport-Fernsehens Glauben schenkten, feierten – etwas voreilig – den Einzug des Zweitligisten in die dritte Runde.

In den einschlägigen Handballforen machten sich die Löwen-Gegner über die 26:27-Niederlage beim kleinen Zweitligisten lustig. Zu diesem Zeitpunkt allerdings schnappte sich Olafur Stefansson den Ball und rettete die Löwen per Siebenmeter mit der Schlusssirene in die Verlängerung.

Diese kitzlige Aufgabe erledigte der ehemalige Welthandballer ziemlich cool. Weniger souverän hatten er und seine Kollegen in den 60 Minuten davor agiert. Die schafften nicht nur den Löwenbändiger Ola Lindgren. „Ich bin tot, aber immerhin hat meine Mannschaft überlebt“, sagte der Trainer des Erstligisten nach dem Spiel.

Nicht nur der Schwede hatte allen Grund, sich aufzuregen, auch bei seinem Gegenüber erreichte der Puls zu oft eher ungesunde Höhen. Der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt freute sich zunächst über die „prima Leistung meiner Mannschaft“. Der Ärger über einige Situationen, die die Entscheidung zugunsten der Löwen herbeigeführt haben, war aber mindestens genauso groß. Auch am nächsten Tag noch. Nach einer Nacht, in der er schlecht in den Schlaf fand. Schweikardt war mit der Leistung der Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch überhaupt nicht einverstanden. „Sie hatten offensichtlich zu großen Respekt vor dem großen Namen und nicht den Mut, uns gleichermaßen zu behandeln.“ In kritischen Situationen hätten die Löwen profitiert, da habe das Maß nicht mehr gestimmt. „Ganz klar: Wir hätten den Sieg verdient gehabt.“

Dieses Gefühl hatten auch die 1200 Fans in der Gemeindehalle, die Dinges und Kirsch mit einem gellenden Pfeifkonzert bedachten. Schon vor der 60. Minute, in der die Bittenfelder die größte Chance auf die Sensation hatten. In Überzahl pfiffen die Schiedsrichter Jürgen Schweikardt den Vorteil ab und damit – 30 Sekunden vor Schluss – das wahrscheinlich entscheidende Tor zum 28:26. Zwei Sekunden vor dem Ende schob Löwen-Kreisläufer Carlos Prieto clever den Bittenfelder Mittelblock in den Kreis. Die Unparteiischen fielen darauf herein und pfiffen Strafwurf.

Das i-Tüpfelchen wär’s gewesen, wenn Bastian Rutschmann den finalen Wurf gehalten hätte. Der TVB-Keeper war zuvor in 23 Duellen, unter anderem bei drei Siebenmetern, gegen die Löwen-Angreifer Sieger geblieben. Damit stach er die Nationaltorhüter auf der anderen Seite, Henning Fritz und Slawomir Szmal, aus.

Trotz der Niederlage: Die Bittenfelder Fans bekamen in den zwei Stunden am Dienstagabend alles zu sehen, was ein Handballspiel ausmacht. Und das sind nicht nur schöne Tore, sondern auch Emotionen. So nahm sich beispielweise der Löwen-Abwehrchef Oliver Roggisch seinen Kollegen Patrick Groetzky nach dessen Fehlversuch ordentlich zur Brust.

In der Verlängerung hatte der Rechtsaußen keinen neuerlichen Wutausbruch Roggischs zu befürchten. In der 61. Minute musste der Nationalspieler nach der dritten Zeitstrafe vom Feld.

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner (5), Schöbinger (5), Weiß (1), Lenz (3), Schweikardt (1), Heib (4/2), Baumgarten (5), Wehner (2), Hauk (5), Drobek (1). Rhein-Neckar Löwen: Szmal, Fritz; Gensheimer (10/1), Roggisch, Prieto (2), Bielecki (5), Manoljovic, Gudjonsson, Stefansson (5/3), Müller (1), Myrhol, Sigurdsson (5), Groetzki (5).

"Medienkäfig" der Rhein Neckar Löwen

Pressespiegel Rhein Neckar Löwen

Bericht  handball-world