“Man braucht einen größeren Willen als der Gegner”

Der Bittenfelder Spielgestalter Alexander Heib (21) gehörte zu den Gewinnern der Rückrunde. Er spielte auf einem Niveau, das ihm nicht jeder zugetraut hatte. „Es macht mich stolz, dass ich einen Teil zum Erfolg beitragen konnte“, sagt er im Interview.

Herr Heib, an Weihnachten musste man sich Sorgen machen um den TV Bittenfeld. Wie groß war Ihre persönliche Verunsicherung nach 12:22 Punkten?

Die Verunsicherung war schon groß, da die Konkurrenz auch ziemlich gut war. Wir wussten genau, was auf uns zukommt und dass es nicht einfach werden wird. Aber in diesem Fall konnte es ja nur bergauf gehen.

Die üblichen Mechanismen haben auch in Bittenfeld gegriffen: Trainer Henning Fröschle war weg, der Erfolg kehrte zurück. Wie ist das zu erklären? Der Spielerkader blieb derselbe und auch unter Fröschle gabs gute Spiele?

In unserem Fall gab es nur indirekt einen neuen Trainer, mit Günter Schweikardt kehrte ein neuer-alter Trainer zurück. Er kennt die Mannschaft mit Sicherheit am besten. Natürlich bekam er auch gute Unterstützung von Klaus Hüppchen und Jens Baumbach. Dieses Trio hat es geschafft, uns immer wieder aufs Neue auf die Herausforderungen der Spiele gut einzustellen und das Potenzial der Mannschaft wieder neu auszuschöpfen. Das ist uns in der ersten Hälfte der Saison nicht gelungen. Klar hatten wir gute Spiele, aber wir brachten einfach keine Konstanz in unsere Leistung.

Sie selbst waren am Aufschwung des TVB maßgeblich beteiligt, spielten eine hervorragende Rückrunde. Dabei waren Sie oft in der Kritik gestanden. Manche sprachen Ihnen sogar die Zweitligatauglichkeit ab. Wie gingen Sie damit um?

Natürlich bin ich froh, dass es in der Rückrunde so gut geklappt hat. Dass ich durch meine Leistung einen Teil zu unserem Erfolg beitragen konnte, macht mich stolz. Aber das hat auch nur funktionieren können, weil die komplette Mannschaft wieder richtig harmoniert hat und wir ein gemeinsames Ziel vor Augen hatten. In der Hinrunde war ich sehr verunsichert, da ich in kurzen Einsatzzeiten mein Können unter Beweis stellen sollte. Dies ist mir leider oft nicht so gut gelungen. Aber durch die Unterstützung meiner Familie, von Günter Schweikhardt und des kompletten neuen Trainerteams, die mich immer wieder aufgebaut und motiviert haben, ist es mir in der zweiten Hälfte umso besser gelungen, meine Leistung abzurufen. Das freut mich natürlich besonders.

Was hat den TVB in dieser Saison besonders ausgezeichnet und in welchen Bereichen sehenSie noch Luft nach oben?

Wie schon gesagt, ist es uns in der zweiten Hälfte der Saison immer wieder gelungen, unsere Leistung abzurufen. Mit Sicherheit war unser Teamgeist wichtiger Bestandteil dafür, dass wir in der Rückrunde so aufgeblüht sind. Luft nach oben ist immer vorhanden, sei es bei einem einzelnen Spieler oder eben der kompletten Mannschaft. Ohne neue Herausforderungen würde es ja wahrscheinlich irgendwann langweilig werden.

Drei Spielzeiten in der 2. Liga shat der TV Bittenfeld jetzt hinter sich. Welche Spiele sindIhnen denn noch am besten in Erinnerung?

An erster Stelle kommt natürlich das letzte Spiel der ersten Saison in Hüttenberg, als wir den Klassenverbleib doch noch geschafft haben, obwohl es kaum noch eine Chance gegeben hatte. Die Spiele in der Porsche-Arena sind und waren natürlich immer Highlights. Besonders das gegen TUSEM Essen, dem damaligen Aufsteiger, als wir mit neun Toren im Rückstand waren und doch noch gewonnen haben. Das allererste Heimspiel gegen Oftersheim/Schwetzingen war auch ein Knaller, und noch viele weitere Spiele. Fakt ist, dass es für einen jungen Spieler, wie ich es auch bin, immer ein Highlight sein muss, Bundesliga zu spielen. Es darf keine Selbstverständlichkeit sein.

Bei den Autogrammjägern sind Sie nach den Spielen besonders beliebt. Den Fans scheint Ihre Art, Handball zu spielen, besonders zu gefallen. Wenn Sie von einem jungen Spieler gefragt werden, welche Tugenden am wichtigsten sind um es bis in die Bundesliga zu schaffen: Was antworten Sie?

Es macht mich natürlich sehr stolz und freut mich besonders, wenn den Fans meine Art, Handball zu spielen, gefällt. Bei solchen Fragen kann ich immer nur weitergeben, was meine Trainer immer zu mir gesagt haben: Spaß, Wille, Training, Training, Training und nochmals Training. Klar gehört zu jedem Sport auch ein gewisses Talent dazu, aber Weiterentwicklung und Verbesserung kommen eben nur durchs Training. Ein gutes Training kommt wiederum nur vom Spaß am Training. Und um erfolgreich zu sein, braucht man einen größeren Willen als der Gegner.

Wie´s aussieht wird sich am Kader zur neuen Saison nichts Gravierendes ändern. Was trauenSie dem TVB in den nächsten Jahren noch zu?

Ich denke, dass wir genauso wie in dieser Saison, vor allem in der zweiten Hälfte, richtig gut mitspielen können in der 2. Bundesliga. In dieser Liga ist der Konkurrenzkampf sehr groß und man bewegt sich immer auf einem schmalen Pfad. Wichtig ist es, dass wir uns auf den Erfolgen nicht ausruhen dürfen. Wenn wir konzentriert weiterarbeiten und jeder Einzelne bereit dazu ist, noch mehr zu geben, sind wir in der Lage, vorne mitzuspielen. Es ist alles, sehr vieles möglich. Ich selbst glaube daran, dass wir an unsere jüngsten Leistungen anknüpfen werden. Wir sind hungrig auf den Erfolg.