Gezittert und geglänzt

In seiner dritten Zweitliga-Saison hat der TV Bittenfeld sein Saisonziel erreicht: einen einstelligen Tabellenplatz. An Weihnachten taumelte der TVB am Rand der Abstiegszone, steigerte sich in der Rückrunde gewaltig. „Da ist vieles gut gelaufen“, sagt Günter Schweikardt. Die wichtigste Erkenntnis des Trainers: „Wir sind einen wesentlichen Schritt weiter.“

Nur drei Punkte auf Platz vier, neun auf den drittletzten Platz, 19 gar auf den ersten direkten Abstiegsrang: Das liest sich prima – und täuscht über eine aufregende Saison des TV Bittenfeld mit Höhen und Tiefen hinweg.

Kurz vor Weihnachten war die Stimmung bei den erfolgs- und harmonieverwöhnten Bittenfeldern ziemlich im Keller. Nach der 20:21-Niederlage bei Aufsteiger HC Erlangen trat Trainer Henning Fröschle zurück. Nach einer dürftigen Bilanz von 12:22 Punkten trennte den TVB lediglich ein Punkt vom Relegationsplatz. Fröschle zog die Konsequenz – auch, weil er sich von der Sportlichen Leitung mehr Unterstützung gewünscht hätte.

Während der dreiwöchigen WM-Pause im Januar verteilte der TVB die Aufgaben neu: Günter Schweikardt übernahm wieder den Cheftrainer-Posten und holte sich mit dem Ex-Waiblinger Klaus Hüppchen und Jens Baumbach, dem Trainer des Bittenfelder Perspektivteams, zwei Assistenten. Und plötzlich flutschte es: Abgesehen von der unglücklichen 31:33-Niederlage beim Bergischen HC eilte der TVB in der Rückrunde von Sieg zu Sieg. 21:3 Punkte lautete die eindrucksvolle Bilanz, erst beim Meister HSG Düsseldorf mussten sich die Bittenfelder wieder geschlagen geben (30:31). Sie hatten sich bei der Konkurrenz gehörigen Respekt verschafft, mauserten sich zu einem der besten Rückrundenteams.

Dennoch durfte sich der TVB lange nicht zu sicher fühlen. Während Leichlinger TV und HG Oftersheim/Schwetzingen rasch an Boden verloren, entbrannte um den Relegationsplatz ein harter Kampf. Die Kandidaten sammelten ebenfalls eifrig Punkte, letztlich aber holten sich die Bittenfelder souverän die notwendigen Punkte.

In der WM-Pause war Zeit, sich auf die Rückrunde vorzubereiten

Hätte der TVB in der Rückrunde nur halb so erfolgreich gespielt, wäre es eng geworden. Kam der Trainerwechsel also zum richtigen Zeitpunkt?

Die wenig berauschende Hinrunde könne nicht alleine am Trainer festgemacht werden, sagt Günter Schweikardt. „Wir haben in der Vorbereitung einige gute Spiele gegen starke Mannschaften gemacht und sind mit einer gewissen Erwartung in die Saison gegangen.“ Möglicherweise habe der eine oder andere die Sache auf die leichte Schulter genommen. „Allerdings haben wir auch zu diesem Zeitpunkt ordentlich gearbeitet.“

Abzulesen war dies auch an manchem Resultat: Beim Derbysieg in Bietigheim sowie den Auftritten in der Porsche-Arena gegen die HR Ortenau (31:29) und den späteren Meister HSG Düsseldorf (24:24) zeigte der TVB, wozu er in der Lage ist. Zu oft indes enttäuschte er. Allerdings fehlten ihm auch phasenweise wichtige Spieler wie Rechtsaußen Marco Hauk, der wegen eines Kieferbruchs wochenlang ausfiel.

Während der dreiwöchigen Pause im Januar blieb Zeit, sich intensiv auf die Rückrunde vorzubereiten. „Wir haben versucht, unsere 6:0-Abwehr zu stärken“, sagt Schweikardt. Aus der stabilen Defensive sollte das schnelle Spiel nach vorne forciert werden. „Und wir haben die Mannschaft eindringlich darauf hingewiesen, in welcher Lage wir uns befinden“, sagt Schweikardt. Entscheidend sei gewesen, dass etliche Spieler ihre Form gefunden und sich stabilisiert hätten.

Beispielsweise Alexander Heib oder Adrian Wehner, die beide eine prima Rückrunde spielten. Andere Spieler entwickelten neue Qualitäten. Simon Baumgarten, am Kreis eine Bank, zeigte in der Defensive starke Leistungen. Evgeni Prasolov kam in der Rückrunde immer besser in Tritt. Linkshänder Sebastian Seitner, der von der HSG Konstanz kam, erwies sich mit seiner individuellen Klasse und Torgefährlichkeit als Glücksgriff. Im rechten Rückraum war er kaum zu ersetzen. Der mit Zweifachspielrecht bei FA Göppingen ausgestattete Kai Häfner absolvierte nicht so viele Spiele für den TVB wie geplant.

Die Defensive war das Prunkstück

Einen großen Anteil am Erfolg schreibt Schweikardt dem Torhütergespann Benjamin Krotz/Björgvin Gustavsson zu. „In diesem Bereich sind wir einen wesentlichen Schritt weiter als in der vergangenen Saison“, sagt er. Krotz habe eine tolle Entwicklung gemacht, und auch Gustavsson habe eine gute Runde gespielt. Dass der Isländer hin und wieder in der Kritik stand, kann der Trainer nicht nachvollziehen. „Weil er Nationaltorhüter ist, wurde sehr viel von ihm erwartet.“ Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass Gustavsson erst 23 Jahre alt sei. Zudem habe die Abwehr die Torhüter hin und wieder im Stich gelassen.

Als sich die Defensive stabilisierte, sahen auch die Keeper besser aus. Unumstrittener Chef in der Abwehr war Ludek Drobek, der wahlweise mit Jürgen Schweikardt oder Florian Schöbinger das Zentrum bildete. Schöbinger hat eine schwere Runde hinter sich. Schon in der Vorbereitung hatte der Allrounder verletzungsbedingt gefehlt, wurde immer wieder zurückgeworfen und kämpfte stets mit Trainingsrückstand.

Erstaunlich war, wie der TVB die Ausfälle wichtiger Spieler wie Seitner, Drobek, Schöbinger, Hauk und Häfner wegsteckte. „Wir spielten oft in einer Besetzung, die weit weg war von der ersten Sechs“, sagt Schweikardt, der so die Gelegenheit hatte, die jungen Spieler heranzuführen. „Man hat gesehen, dass sie noch nicht ganz so weit sind.“ Schweikardt will jedoch nicht von diesem Weg abrücken. „Die Nachwuchsspieler bekommen von uns einen großen Vertrauensvorschuss“, sagt er. „Allerdings müssen sie sich ordentlich reinhängen, sonst werden sie es nicht schaffen.“

Auswärts tritt der TVB jetzt selbstbewusster auf

Besonders gut gefallen hat Schweikardt, wie sich sein Team in der Fremde stabilisiert hat. „Wir sind mittlerweile auswärts mit sehr guten Gegnern auf Augenhöhe“, sagt er. „Das allein zeigt schon, wie sich die Mannschaft entwickelt hat.“

In der nächsten Saison will der Coach dort weitermachen, wo der TVB in seiner dritten Saison aufgehört hat. Nicht mehr mithelfen werden Benjamin Krotz (zur SG BBM Bietigheim), Evgeni Prasolov (TSV Schmiden) und Patrick Kleefeld (TSV Deizisau).

Für Krotz hat der TVB mit dem erstligaerfahrenen Daniel Sdunek (HR Ortenau) schon einen Nachfolger gefunden. Aus der A-Jugend werden Martin Kienzle und Marvin Gille zum erweiterten Kader stoßen. Die beiden werden aber aller Voraussicht nach nicht die einzigen Neuen sein. Schweikardt wünscht sich für den Rückraum noch mindestens einen gestandenen Spieler.

Des Weiteren planen die Bittenfelder erneut die Zusammenarbeit mit FA Göppingen. Wie’s aussieht, wird Junioren-Nationalspieler Kai Häfner (19) auch in der neuen Saison mit Zweifachspielrecht ausgestattet. Freuen dürfen sich die Fans wieder auf die Porsche-Arena: Vier Spiele, eines mehr als in der vergangenen Runde, wollen die Bittenfelder in Stuttgart austragen.