Wenn’s läuft, kommt auch das Glück hinzu

Beinahe hätte der HSC Coburg die Erfolgsserie des TV Bittenfeld in der 2. Handball-Bundesliga gestoppt. Die abstiegsbedrohten Gäste überzeugten mit enormer Kampfkraft und spielerischer Klasse. Der TVB indes hielt dagegen und holte sich beim 32:31 (17:16) den achten Sieg in Folge. Sicherlich etwas glücklich, aber auch mit großer Willenskraft.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Während der beste Bittenfelder, Simon Baumgarten, bei der Pressekonferenz von den Freuden und Leiden des Kreisläufers erzählte, kauerte Christian Pack mit leerem Blick auf der Auswechselbank. Der überragende Aufbauspieler der Coburger hätte seine abstiegsbedrohte Mannschaft um ein Haar zum so wichtigen Sieg geführt. In der nervenaufreibenden Schlussphase war das Glück auf der Seite der Bittenfelder.

Lediglich zwei Punkte trennen die Coburger vom Relegationsplatz. Warum eigentlich? Das fragten sich die Bittenfelder Fans, die am Samstag gegen den lautstarken Anhang des HSC ebenso ankämpfen mussten wie die Spieler gegen den kompakten Gegner auf dem Feld. Der HSC startete nach dem Sieg gegen den Aufstiegskandidaten Bietigheim sehr selbstbewusst und legte ein enormes Tempo vor. Dabei fehlten dem Gast mit Kamil Piskac, Vladimir Suma und Matthias Werner wichtige Spieler.

Der TVB hatte zunächst nicht nur in der Abwehr Mühe, die Aktionen der ballsicheren und variablen Coburger zu unterbinden. Auch die Abwehr der Gäste stand gut, und so sah sich der TVB nach vier Minuten mit 3:4 im Hintertreffen. Mit einem kurzen Zwischenspurt und einigen schönen Aktionen zog er anschließend auf 8:4 davon (9.). Nach einer Auszeit kam der HSC kurzzeitig auf zwei Tore heran, doch nach dem 12:8 des guten Adrian Wehner (17.) schien der TVB das Spiel allmählich in den Griff zu bekommen. Das indes täuschte gewaltig. Die Coburger hielten ihr hohes Tempo, versuchten immer wieder, über die schnelle Mitte oder Konter zum Erfolg zu kommen. TVB-Trainer Günter Schweikardt wechselte munter durch, um seinen Stammkräften Erholungsphasen zu verschaffen. Ex-Nationalspieler Christian Rose sorgte beim 15:15 (28.) im emotional geführten Spiel für den Ausgleich. Alexander Heib, der erneut ein starkes Spiel machte, sorgte per Strafwurf für die 17:16-Halbzeitführung.

Ihre beste Phase hatten die Bittenfelder in den ersten acht Minuten nach der Pause. Der in den ersten 30 Minuten blasse Sebastian Seitner nahm Fahrt auf, zudem hatte der TVB ein bisschen Glück bei Abprallern. 24:19 führte er nach 38 Minuten. Damit indes war der Widerstand der Coburger keinesfalls gebrochen – im Gegenteil: Der TVB agierte plötzlich zu hektisch, der für René Selke eingewechselte Harvard Martinsen fand immer besser ins Spiel. Und seine routinierten Mannschaftskollegen sorgten mit fünf Treffern in Folge für den 24:24-Ausgleich (45.). Damit war die heiße und enorm spannende Schlussphase eingeleitet. Seitner erzielte in der 55. Minute die 30:29-Führung und war anschließend mit zwei unglücklichen Aktionen für den 30:31-Rückstand mitverantwortlich. Doch der TVB behielt wie so oft in den vergangenen Spielen die Nerven: Baumgarten verwandelte ein tolles Anspiel von Florian Schöbinger zum 31:31, dann traf der Vorbereiter zum 32:31.

30 Sekunden vor Schluss hielt TVB-Keeper Björgvin Gustavsson, wie sein Kollege Benjamin Krotz nicht ganz so stark wie zuletzt, einen Wurf von Ronny Göhl. Gegen die offene Manndeckung der Coburger vertändelten die Bittenfelder noch mal den Ball und hatten Dusel, dass das Kreisanspiel des HSC vier Sekunden vor Schluss nicht vom Erfolg gekrönt war.

Coburg hätte einen Punkt verdient gehabt und muss nun weiter zittern. Der TVB dürfte bei neun Punkten Vorsprung unter normalen Umständen durch sein. Selbst wenn ihm die vier Punkte gegen Ortenau doch noch abhandenkommen würden.

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (5), Schöbinger (3), Prasolov (1), Lenz (3), Schweikardt (1), Heib (7/5), Baumgarten (6), Krammer, Wehner (5), Drobek, Baumbach (1).

HSC Coburg: Selke, Martinsen; Kirchner, Göhl (3), Rose (4), Pack (6), Kästner (2), Lakiza (5/4), Schulz (2), Michael Werner (2), Libergs, Lendner (4), Rivera (2), Schuhmann (1).