Bittenfeld kriegt die Kurve

Auch Tuspo Obernburg hat die Erfolgsserie des TV Bittenfeld in der 2. Handball-Bundesliga nicht gestoppt. Mit dem verdienten 33:29-Sieg (14:15) vor 900 Zuschauern verbesserte der TVB seine Bilanz im Jahr 2009 auf 19:3 Punkte. Nach dem siebten doppelten Punktgewinn in Folge hatte es allerdings zunächst nicht ausgesehen: Die Bittenfelder brauchten eine 17-minütige Anlaufzeit, lagen mit 7:12 im Hintertreffen.

Nicht nur der TV Bittenfeld, sondern auch Obernburg hatte zuletzt Selbstvertrauen gesammelt. Mit drei Siegen hintereinander hat Tuspo den Relegationsrang verlassen. Beim TVB, gegen den Obernburg in fünf Zweitligavergleichen nur einmal verloren hatte, sollte nun endlich der erste Auswärtssieg der Saison her.

Der TVB begann erstmals seit langer Zeit wieder mit Björgvin Gustavsson im Tor. Weil mit Marco Hauk und Kai Häfner die etatmäßigen Rechtsaußen fehlten, rückte wie schon in Schwetzingen David Krammer in den Kader. Zunächst indes übernahm überraschend Allrounder Alexander Heib diese Position.

Beim jüngsten Spiel in Schwetzingen brauchten die Bittenfelder einige Minuten, bis sie ins Spiel kamen. Vor allem im Angriff lief’s nicht besonders. Am Samstag stimmte es 17 Minuten lang weder in der Offensive noch in der Defensive. Der Angriff wirkte unkonzentriert und die ansonsten so sattelfeste Abwehr ungewöhnlich langsam auf den Beinen. Obernburg spielte lange Angriffe und brachte seine Rückraumschützen Jurai Niznan und Martin Justus geschickt in Position.

Gustavsson begann schwach, wurde aber immer stärker

Gustavsson bekam keine Hand an den Ball und musste schon nach sieben Minuten (4:6) seinen Platz für Benjamin Krotz räumen. Der indes spielte ebenso unglücklich und übergab zehn Minuten später wieder an den isländischen Nationaltorhüter. Viel besser ins Spiel kam der ehemalige slowakische Auswahltorhüter der Gäste, Milos Hacko. 7:12 lagen die Bittenfelder nach 17 Minuten hinten, und auf der Tribüne begannen die Fans zu murren.

Die Fehlerquote im Bittenfelder Angriff blieb ungewöhnlich hoch. Dass der TVB bis zur Halbzeit auf 14:15 herankam, lag in erster Linie an der Abwehr. Die agierte konzentrierter und aggressiver, zudem lief Gustavsson zu großer Form auf. Nach der 12:7-Führung gelangen Obernburg in den restlichen 13 Minuten bis zur Pause lediglich noch drei Treffer.

Alexander Heib vorgezogen, die richtige taktische Maßnahme

In den zweiten 30 Minuten änderten die Bittenfelder ihre Abwehrformation. Der flinke Alexander Heib sollte auf der vorgezogenen Position den Spielfluss der Gäste stören – und diese taktische Maßnahme war exakt die richtige. Obernburg hatte große Schwierigkeiten, agierte oft nahe am Zeitspiel und leistete sich etliche Fehler im Spielaufbau.

David Krammer, der den verletzten Hauk auf Rechtsaußen gut vertrat, sorgte mit dem 15:15 (32.) für den ersten Ausgleich im Spiel und Simon Baumgarten umgehend für die erste Führung. Als der vor der Pause blasse Sebastian Seitner zweimal getroffen und Gustavsson zwei freie Bälle pariert hatte, führte der TVB mit 20:17 (39.) und hatte die verunsicherten Obernburger im Griff. Plötzlich lief’s auch im Angriff, der erneut starke Heib sorgte per Konter mit dem 23:18 für die beruhigende Führung (42.).

Dann indes verfielen die Bittenfelder unnötigerweise in Hektik, schlossen viel zu überhastet ab. Durch den guten Justus kamen die Gäste beim 24:22 (46.) wieder heran. Die Konzentrationsmängel im Angriffsspiel brachten die Bittenfelder Fans ebenso in Wallung wie die Schiedsrichter. Gunnar Beyer und Thomas Schulte verloren bisweilen den Überblick, schickten die Spieler beider Mannschaften gleich reihenweise für zwei Minuten auf die Bank. Am Ende saßen die Bittenfelder sieben und die Obernburger neun Zeitstrafen ab.

Der TVB ließ sich dadurch, wie schon gegen Hüttenberg, nur kurz verunsichern und nutzte das Überzahlspiel. Mit zwei Spielern mehr auf dem Feld gelang Jürgen Schweikardt das 28:23. Elf Minuten vor dem Ende war dies allerdings noch nicht die Entscheidung. Hacko hielt mehrere freie Chancen und brachte sein Team beim 30:28 (56.) noch einmal zurück ins Spiel.

Der TVB blieb jedoch ruhig. Nach zwei tollen Anspielen von Krammer und Schweikardt auf Baumgarten und Schöbinger zum 32:28 war die Sache gelaufen. Die Fans feierten in der Schlussminute Gustavssons akrobatische Flugeinlage und den verdienten 33:29-Sieg.

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (4), Schöbinger (3), Prasolov (2), Lenz, Schweikardt (3), Heib (6/2), Baumgarten (6), Krammer (3), Wehner (6), Drobek.

Tuspo Oberburg: Hacko; Wilhelm (2), Schmittner, Milde (2), Schmid, Niznan (6), Conrad (1), Fetser (5/1), Justus (5), Hain, Volk (5), Reuter (3).