Bittenfeld ist nicht zu bremsen

Der TV Bittenfeld eilt in der 2. Handball-Bundesliga von Sieg zu Sieg. Das 27:24 (13:11) gegen den Tabellenfünften TV Hüttenberg vor rund 1000 Zuschauern war der fünfte in Folge. Der vor Selbstbewusstsein strotzende TVB ließ sich von etlichen haarsträubenden Schiedsrichterentscheidungen nur kurz aus der Ruhe bringen und beherrschte den Gegner. Herausragend: Torhüter Benjamin Krotz, Alexander Heib, Simon Baumgarten und Ludek Drobek.

Im zweiten Heimspiel in Folge mussten die Bittenfelder auf Björgvin Gustavsson verzichten. Wegen einer Bronchitis musste der Isländer auf der Tribüne Platz nehmen. Die etwas finstere Miene des ehrgeizigen Nationaltorhüters hellte sich aber schnell auf: Benjamin Krotz nahm immer wieder Blickkontakt mit seinem Kollegen auf und signalisierte damit: Ich habe alles im Griff.

Das hatte er in der Tat: 22 gehaltene Bälle in 60 Minuten sind eine überragende Quote. Natürlich war er einer der Matchwinner beim TVB, der den Gegner wieder einmal mit einer konzentrierten Abwehrleistung zermürbte. Dadurch war die eine oder andere kurze Schwächephase im Angriff leichter zu kompensieren. Vor allem die rechte Seite hatte nicht ihren besten Tag. Marco Hauk, zuletzt stets einer der besten Bittenfelder, agierte weitgehend glücklos. Und Sebastian Seitner war der Trainingsrückstand nach seiner Sehnenverletzung deutlich anzumerken.

Der TVB indes zeigte sich unbeeindruckt. Der TV Hüttenberg, mit nur zwei Punkten Rückstand auf den zweiten Platz angereist, geriet von Beginn an schwer unter Druck. 4:0 führte der TVB nach fünf Minuten, bis dahin war Krotz schon dreimal Sieger geblieben gegen die Hüttenberger Angreifer.

Angeführt von ihrem Besten, Florian Laudt, kamen die Gäste etwas besser ins Spiel. Dass die Bittenfelder dennoch stets die Kontrolle hatten, lag in erster Linie an der von Ludek Drobek glänzend organisierten Abwehr. Während Krotz weiter prächtig hielt, räumte sein Gegenüber Waldemar Strzelek nach 18 Minuten entnervt seinen Platz für Mathias Lang.

Der TVB lief richtig heiß. So heiß, dass nach dem 11:6 von Wirbelwind Heib und dem 12:6 Jürgen Schweikardts die Elektrik in der Gemeindehalle versagte: Das Licht schwächelte, das Spiel musste für kurze Zeit unterbrochen werden.

Unter Strom standen in den letzten sechs Minuten des ersten Durchgangs die Bittenfelder Zuschauer. Mit einer ganzen Serie von merkwürdigen Entscheidungen pfiffen sich die Schiedsrichter Thomas Kern und Thorsten Kuschel in den Vordergrund. In doppelter Unterzahl und ziemlich genervt verloren die Bittenfelder den Faden und mussten bis zur Pause vier Tore in Folge zum 13:11 hinnehmen. Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert und geschützt von einem halben Dutzend Ordner schlichen Kern und Kuschel in die Kabine.

Stefan Lex brachte Hüttenberg beim 13:12 wieder heran. Der TVB indes, und das ist seine große neue Stärke, blieb gelassen. Binnen fünf Minuten eilte er mit vier Toren in Folge auf 17:12 davon (36.). So leicht wollten sich die Hüttenberger allerdings nicht geschlagen geben. Die Abwehr der Gäste stand nun kompakter. Dem TVB unterlief der eine oder andere Fehler, es lief im Angriff nicht mehr ganz so flüssig. Logische Folge: Der Tabellenfünfte war beim 21:19 (51.) wieder im Spiel.

Doch auch in dieser Phase ließen sich die Bittenfelder nicht verunsichern – im Gegenteil: Mit zwei ebenso risikoreichen wie genialen Anspielen brachten Hauk und Heib den starken Kreisläufer Simon Baumgarten in Position, der eiskalt verwandelte. Dreieinhalb Minuten vor dem Ende führte der TVB mit 24:20 und brachte den fünften Sieg in Folge souverän über die Runden.

Nur eines von neun Spielen verloren die Bittenfelder im Jahr 2009, Lohn sind 27:27 Punkte und der zehnte Platz. Am Donnerstag geht’s zum Schlusslicht HG Oftersheim/Schwetzingen. Dann kommen mit Obernburg und Coburg zwei Mannschaften, die in der Tabelle hinter dem TVB stehen. Die Chancen, den Ligaverbleib frühzeitig klarzumachen, könnten schlechter sein.

TV Bittenfeld: Krotz, Bürkle; Seitner (1), Schöbinger, Schweikardt (6), Prasolov, Heib (8/4), Baumgarten (6), Wehner (4), Hauk, Drobek, Baumbach (2).