Falsche Ergebnisse und ein reuiger Trainer

(twa). Viel zu bereden gab’s nach dem Spiel in der Porsche-Arena: Der Wallauer Trainer Mike Fuhrig entschuldigte sich in der Pressekonferenz bei seinem Kollegen Günter Schweikardt für seine verbale Entgleisung während des Spiels. Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky sah den TVB in seinen Träumen schon in Waiblingen spielen. Und dann war da noch das Phantomtor der Wallauer zum – falschen – 34:30-Endstand.

Mike Fuhrig, Ex-Nationalspieler und Trainer der SG Wallau, wirkte trotz der Niederlage bei der Pressekonferenz sehr entspannt. Bevor er das Spiel analysierte, lobte er die „gemütliche Atmosphäre“ in der Buddha-Lounge. „Günter, wenn du hier mal nicht mehr Trainer bist, werde ich mich bewerben“, sagte er, grinste und entschuldigte sich bei seinem Trainer-Kollegen Günter Schweikardt für seine verbale Entgleisung Mitte der zweiten 30 Minuten.

Für Schweikardt war die Angelegenheit kurz nach dem Spiel erledigt. „Mike und ich hatten einen kleinen Disput wegen einer Schiedsrichterentscheidung“, sagt Schweikardt. „Für meinen Geschmack war er ein bisschen zu laut.“

Bei der Pressekonferenz hatte sich Fuhrig längst beruhigt und seinen Humor wiedergefunden. Als die Fragen der Medien ausblieben, stellte eben der Trainer eine. „Wo gibt’s denn das Weizenbier, das der Mann da auf dem Tisch stehen hat?“

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Einig waren sich die Trainer, dass der 34:30-Sieg der Bittenfelder in Ordnung ging. 34:30? Vor Tobias Schimmelbauers letztem Tor, quasi mit dem Schlusspfiff, stand’s 34:28. Als Endergebnis stand allerdings 34:30 auf der Anzeigetafel, auch im Protokoll wurde Schimmelbauers Treffer verdoppelt. Das Kampfgericht hatte wohl einen etwas nervösen Finger am Laptop.

Als offizielles Endergebnis wurde 34:30 gemeldet. Dabei bleibt’s – es sei denn, der TVB legt Protest ein. „Wenn wir das Protokoll unterschrieben haben, ist es rechtsgültig“, sagt Rainer Heib vom TVB. „Wir können klagen, aber das kostet Geld.“ Für TVB-Trainer Günter Schweikardt steht fest, „dass wir das in irgendeiner Weise dokumentieren müssen“ in Anbetracht der „weiterhin prekären“ Situation. Wer weiß, ob am Ende nicht die Tordifferenz entscheidet.

Mit 11:3 Punkten ist der TVB zwar eine der erfolgreichsten Mannschaften der Rückrunde. Drei Spiele hintereinander haben die Bittenfelder in drei Jahren 2. Bundesliga noch nie gewonnen. Dass die Bittenfelder trotzdem noch Kontakt haben zum Relegationsplatz, liegt an den seit Wochen überraschenden und nicht immer nachvollziehbaren Ergebnissen der Konkurrenz. So gewannen am Wochenende sämtliche Mannschaften, die es noch erwischen könnte. Und das auch noch gegen Mannschaften, die den zweiten Platz und damit die Relegation im Blick haben. „Coburg, Erlangen und auch Obernburg haben sich stabilisiert“, sagt Schweikardt. Damit bleibt’s beim Vier-Punkte-Polster des TVB, der als Nächstes gegen die Aufstiegskandidaten HR Ortenau und TV Hüttenberg spielen muss. Coburg trifft nacheinander auf die designierten Absteiger Leichlinger TV und HG Oftersheim/Schwetzingen. Und Obernburg, mit einem Spiel im Rückstand, hat sechs Heim- und vier Auswärtsspiele.

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Als Fan des TV Bittenfeld outete sich auch der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky, der mit dem weiß-blauen TVB-Schal auftauchte. „Ich habe aber auch noch einen Schal des VfL Waiblingen in meinem Büro“, sagt er und war begeistert, dass es der TVB immer wieder schaffe, die Porsche-Arena mit annähernd 6000 Zuschauern zu füllen. „Da stellt sich auch für die Stadt Waiblingen die Frage, wie man den TVB dazu bewegen kann, dass er in Waiblingen spielt.“ Die Gespräche mit den Verantwortlichen seien vielversprechend. „Wir müssen uns intensiv Gedanken darüber machen, wie wir solche sportlichen Großereignisse auch in Waiblingen stattfinden lassen können.“ Schließlich stehe der Bau einer neuen Halle im Waiblinger Stadtentwicklungsplan.

„Wir führen immer gute Gespräche mit der Stadt Waiblingen“, sagt Rainer Heib vom TVB. Allerdings verfolge der TVB momentan die „Strategie der zwei Heimspiel-Standorte: Porsche-Arena und Gemeindehalle“. Heib kann sich nicht vorstellen, dass der TV Bittenfeld in Waiblingen spielen wird. „Viel wichtiger ist uns, dass die Infrastruktur in Bittenfeld verbessert wird, wie wir das seit Jahren fordern.“ Für Heib ist zudem ein ständiger Bundesligabetrieb in Waiblingen „fast unmöglich“. Parallel müsste die Heimspiele der anderen aktiven Mannschaft und der Jugend in der Gemeindehalle organisiert werden. „Außerdem müssen wir auch an unsere jungen Bittenfelder Fans denken“, sagt Heib. „Wenn wir ständig in Waiblingen spielen würden, bliebe das Vereinsleben auf der Strecke.“

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Es sieht also so aus, als müsste der Waiblinger Oberbürgermeister bis auf weiteres nach Bittenfeld oder Bad Cannstatt fahren, wenn er den TVB sehen will. Ein bisschen träumen ist aber erlaubt, das dürfen auch die Bittenfelder. Von neuen Toiletten in der Gemeindehalle beispielsweise. Oder gar von der Rückkehr Michael Schweikardts? Auf die Frage eines Reporters, ob er keine Lust hätte, wieder für den TVB zu spielen, sagte der Göppinger: „Der Reiz ist immer da, wer weiß, was die Zukunft bringt.“

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Sebastian Seitner musste gegen Wallau verletzungsbedingt zusehen. Das fuchste den Linkshänder gewaltig. „In Schutterwald will ich wieder dabei sein“, sagte er in der Porsche-Arena. Schon am Freitag sind die Bittenfelder bei der HR Ortenau im Einsatz. Möglicherweise auch wieder mit Kai Häfner: FA Göppingen spielt erst am Samstag.