„Es kann sich keiner erklären“

Bittenfelder Sebastian Seitner ist geschockt vom Tod seines Ex-Mannschaftskollegen Sebastian Faißt

Der Tod von Handball-Junioren-Nationalspieler Sebastian Faißt am Dienstag vor einer Woche ist schwer zu verarbeiten für seine Mannschaftskollegen. Der Bittenfelder Sebastian Seitner spielte bei der HSG Konstanz eine Saison mit Faißt zusammen. „Es kann sich eigentlich keiner so richtig erklären“, sagt er. Der plötzliche Herztod wirft wieder einmal Fragen auf: Greifen Sportler nach Krankheiten zu früh wieder ein und gehen damit ein zu großes Risiko ein?

Als das Zweitligaspiel zwischen dem TV Bittenfeld und dem EHV Aue am Samstag kurz nach dem Anpfiff für die Schweigeminute zu Gedenken von Sebastian Faißt unterbrochen wurde, musste ein Spieler besonders tief schlucken: Sebastian Seitner war ein Jahr lang Faißts Mannschaftskamerad bei der HSG Konstanz. „Er sollte mein Nachfolger werden im rechten Rückraum“, sagt Seitner. Faißt spielte zuletzt beim Erstligisten TSV Bayer Dormagen und mit dem Bittenfelder Kai Häfner gemeinsam in der Junioren-Nationalmannschaft.

Beim Länderspiel gegen die Schweiz in Schaffhausen war der 20-Jährige auf dem Spielfeld plötzlich zusammengebrochen und wenig später verstorben. Die Obduktion ergab Herzversagen. „Das kann sich eigentlich keiner erklären“, sagt Seitner, der mit seinen ehemaligen Mannschaftskollegen in Konstanz noch immer in Kontakt steht. „Sie sagten, er sei absolut fit gewesen.“ Nichts habe auf eine Krankheit hingedeutet.

In den vergangenen beiden Monaten haben sich die schrecklichen Nachrichten über Todesfälle gehäuft. Im Januar und Februar starben drei Sportler. Die polnische Hammerwurf-Olympiasiegerin Kamila Skolimowska (26) starb im Trainingslager am Verschluss einer Lungenarterie. Bei der Katar-Rundfahrt lag der belgische Rad-Profi Frederiek Nolf (21) tot in seinem Hotel-Zimmer. 800-Meter-Läufer René Herms (26) erlag in seiner Wohnung einer Herzmuskel-Entzündung.

Wenn die Viren den Herzmuskel befallen, wird’s gefährlich

Faißt ist also kein Einzelfall. „Für die Zuschauer auf der Tribüne ist es schwer nachzuvollziehen, wie ein junger Mann auf dem Spielfeld einfach zusammenbrechen kann und stirbt“, sagt Dr. Rudolf Knorpp, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin in Fellbach-Schmiden.

Die Diagnose „Herzversagen“ sei ein weitläufiger Begriff. Auslöser sei in der Regel selten eine angeborene Herzerkrankung, viel häufiger dagegen eine Herzmuskelentzündung aufgrund einer Virusinfektion. Fieber, Gliederschmerzen und eine triefende Nase seien Alarmzeichen einer solchen Infektion. „Der ganze Körper ist befallen, die Viren können auch in den Herzmuskel vordringen.“ Dann werde es gefährlich. Durch Belastung könne es zu einem sogenannten Kammerflimmern kommen. Der Herzmuskel wird mit einer sehr hohen Frequenz erregt, die Kontraktionsfähigkeit des Herzens ist gestört. „Manchmal kann man den Takt durch Elektroschocks in der Reanimation wieder herstellen.“

Mit einer sportkardiologischen Untersuchung – Belastungs- und Ruhe-EKG und Echokardiogramm -, könnten angeborene Anomalien „mit hoher Wahrscheinlichkeit herausgefischt“ werden, sagt Dr. Knorpp. Diese Untersuchung gebe allerdings keinen Aufschluss auf den Zustand des Körpers nach einer Krankheit, beispielsweise nach einem grippalen Infekt. Der Arzt rät grundsätzlich davon ab, während einer Krankheit Sport zu treiben. „Und wer Antibiotika oder andere Medikamente nimmt, hat auf dem Platz nichts zu suchen.“

Bevor der Sportler nach einem grippalen Infekt das Training wieder aufnimmt, sollte er den Arzt aufsuchen. Selbst wenn sich der Sportler gesund fühle. „Es sollte aber ein Arzt sein, der sich in der Materie auskennt, also ein Sportmediziner oder Kardiologe.“ Ein Labortest könne innerhalb weniger Stunden Gewissheit bringen und Gefahren ausschließen. Je höher dabei das Belastungsniveau des Sportlers sei, desto wichtiger sei der eingehende Check. Im Zweifelsfall müssten die medizinischen Betreuer die Handbremse ziehen – „selbst wenn die Entscheidung mit dem wirtschaftlichen und sportlichen Interesse kollidiert“.

Todesfälle im Sport seien nicht vermeidbar, eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, sagt Dr. Knorpp. Panikmache indes sei nicht angebracht. „Vor allem im Breitensport überwiegt der gesundheitliche Gewinn das Risiko, beim Sport zu sterben, bei weitem.“

Wer wirklich krank sei, sollte aber besser langsam machen. „Auch wenn’s manchmal schwerfällt.“