Werden die Löwen im eigenen Revier nervös?

(twa). Nach dem Derby gegen Bietigheim wartet auf Handball-Zweitligist TV Bittenfeld die nächste schwere Aufgabe. Der Tabellenzweite Bergischer HC gilt als aussichtsreichster Kandidat auf die Relegationsspiele. Zuletzt mussten sich die „Löwen“ mit einem Remis in Obernburg begnügen, im eigenen Revier jedoch sind sie ungleich stärker.

Bergischer HC (2. Platz, 29:13 Punkte) – TV Bittenfeld (13. Platz, 17:25 Punkte/Samstag, 18.15 Uhr). Das fulminante Derby gegen Bietigheim wirkt nach. TVB-Co-Trainer Jens Baumbach hat sich das Video nochmal zu Gemüte geführt. Dass die Bittenfelder ihren komfortablen Vorsprung hergeben und sich mit dem 32:32 begnügen mussten, ärgert Baumbach zwar immer noch ein wenig. „Allerdings war uns auch klar, dass wir Bietigheim nicht 60 Minuten vorführen werden.“ Dafür sei die SG individuell zu gut besetzt. Die ersten 30 Minuten indes haben den ehemaligen Spieler der ersten Mannschaft begeistert. „Das war hinten und vorne das Beste, was wir seit langem gesehen haben.“ Auch das Gegenstoßspiel, die scheinbar abhandengekommene Stärke der Bittenfelder, habe prima funktioniert.

Nicht gefallen hat Baumbach das Über- und Unterzahlspiel, daran sei unter der Woche „massiv“ gearbeitet worden. Der Co-Trainer hat das Gefühl, dass die Spieler unter Druck die falschen Entscheidungen treffen. Einen allzu großen Kopf macht sich Baumbach allerdings nicht. „Wir haben das in dieser Saison auch schon gut gelöst.“

Morgen muss beim TVB nicht nur das Über- und Unterzahlspiel funktionieren, ansonsten wird er kaum eine Chance haben beim Bergischen HC. Die „Löwen“, Fünfter in der vergangenen Saison, hatten einen Spitzenplatz als Ziel ausgegeben. Auf jenem steht das Team von Trainer Raimo Wilde momentan auch. Ganz nach oben dürfte es bei acht Punkten Rückstand auf den Tabellenführer HSG Düsseldorf zwar nicht mehr reichen. Den zweiten Platz indes möchte der BHC nicht mehr hergeben. Schließlich berechtigt der zu den Aufstiegsspielen gegen den Zweiten der Nordstaffel.

Baumbach hat großen Respekt vor dem Gegner, der auf jeder Position doppelt und ohne Qualitätsverlust besetzt ist. In dieser Saison hat der BHC auf längerfristige Ausfälle reagiert. Nach dem Kreuzbandriss von Torhüter Yvan Zoubkoff reaktivierte der BHC den ehemaligen Nationaltorhüter Grischa Hannawald vom TV Großwallstadt. Er bildet mit Junioren-Nationaltorhüter Mario Huhnstock ein starkes Gespann.

Grischa Hannawald ist nicht die einzige Neuverpflichtung aus der ersten Liga: Aus Dormagen kam der Niederländer Joey Duin, vom VfL Gummersbach der abwehrstarke Kenneth Klev. Sie sollen den Dauerletzten Elvir Selmanovic ersetzen. Wieder dabei nach seinem Nasenbeinbruch ist Sebastian Hinze, der am Kreis und in der Abwehr ein wichtiger Baustein ist. „Ihm dürfen wir nicht zu viel Platz lassen“, sagt Baumbach. Das Problem sei, dass die TVB-Abwehr gleichzeitig ein Auge haben muss auf den wurfgewaltigen Rückraum um den tschechischen Nationalspieler Jiri Vitek.

Auswärts hatte der BHC zuletzt ein paar Probleme. Er verlor in Hüttenberg, Delitzsch und Bietigheim und musste sich in Obernburg mit einem Punkt begnügen. Auch im Hinspiel in Bittenfeld hielt der TVB in einem sehr guten Spiel lange mit und unterlag unglücklich mit 34:36. „Da hat man gesehen, dass man den BHC durchaus auch ärgern kann.“ Die offensive Deckung des Gegners ist Baumbach gar nicht so unrecht. „Normalerweise kommen wir damit ganz gut zurecht.“ Ballverluste indes dürfen sich die Bittenfelder nicht leisten, zu konterstark ist der Tabellenzweite. „Sonst ist das Spiel schneller gelaufen als einem lieb ist.“ Baumbach hofft, dass der TVB lange auf Tuchfühlung bleibt. „Vielleicht wird der BHC dann nervös.“ Viele Punktverluste darf sich der Zweite nicht mehr leisten, die Konkurrenz sitzt ihm im Nacken.

Der TVB wird nicht in Bestbesetzung antreten. Kai Häfner ist mit FA Göppingen im Einsatz, Patrick Kleefeld ist verletzt.