Ludek Drobek bleibt dem TV Bittenfeld treu

Als Handball-Zweitligist TV Bittenfeld vor knapp zwei Jahren Ludek Drobek verpflichtete, brummte mancher TVB- Fan leise vor sich hin. Der Tscheche passte als älterer Spieler im Grunde nicht ins Profil. Heute ist er nicht nur akzeptiert, sondern unumstrittener Chef in der Abwehr. Kürzlich hat der TVB den Vertrag mit dem 33-Jährigen um ein Jahr verlängert. "Ich fühle mich sehr wohl hier", sagt Drobek. "Mein Wunsch ist, dass wir noch besser Handball spielen."

Die 2,02 Meter Körpergröße und über 100 Kilogramm Körpergewicht flößen Respekt
ein. Wenn Ludek Drobek im Abwehrzentrum der Bittenfelder steht und seine langen Arme ausbreitet, wird’s unangenehm für den Gegner. Eher selten huscht ihm auf dem Spielfeld ein Lächeln übers Gesicht. Das ist die eine Seite von Ludek Drobek. Außerhalb des Platzes ist er ruhig, freundlich und humorvoll. Als die Bittenfelder vor der Saison Björgvin Gustavsson verpflichteten, kümmerte sich Drobek gleich um den Isländer: Bevor Gustavssons Deutschlehrer seine Arbeit aufnahm, hatte Drobek dem Torhüter die "gwichtigsten" Wörter beigebracht. Die beiden Ausländer des TVB sind Nachbarn, wohnen nur einen Steinwurf von der Gemeindehalle entfernt. Wichtig ist, dass es der Familie gut geht. "Björgvin hat es schwer", sagt Drobek und erinnert sich daran, als er vor etwa sieben Jahren nach Deutschland kam. "Die Sprache ist schon eine Barriere." Drobek selbst hat keine Probleme, sich auszudrücken. Deshalb war er in Bittenfeld auch rasch integriert. Nicht nur auf dem Spielfeld. "Das Wichtigste ist für mich, dass es meiner Familie gut geht." Seine Frau spielt in Rielingshausen Handball, die Kinder ­ sechs und drei Jahre alt ­ haben Freunde gefunden in Bittenfeld.
"Es war der richtige Schritt, nach Bittenfeld zu wechseln", sagt Drobek. Weil er selbst aus einer Kleinstadt kommt, gefällt ihm das Leben in Bittenfeld viel besser als in der Großstadt. "Hier können die Kinder direkt vor der Haustür viel machen, in der Stadt wäre das viel stressiger."

In der Natur erholt sich Drobek auch von der Arbeit. Nach 14 Jahren als Vollprofi trat er mit dem Wechsel zum TVB wieder einen Job an. Bei einem Sponsor in Waiblingen arbeitet Drobek im erlernten Beruf als Werkzeugmacher. "Das ist perfekt, und die Kollegen sind super."
Die gute Atmosphäre hilft Drobek auch über das eine oder andere Zipperlein hinweg, das ihn mittlerweile plagt. Nicht immer fällt ihm das Training nach der Arbeit leicht. "Als junger Spieler habe ich mich immer gewundert, wenn die älteren jammerten", sagt der 33-Jährige. "Heute kann ich das verstehen." Nach einem Spiel brauche er länger, bis er sich erholt habe und besuche häufiger den Physiotherapeuten. Auch wenn der Körper unmissverständliche Signale sendet: Für Drobek steht’s außer Frage, dass er Vollgas geben muss.
"Handball ist immer harte Arbeit." Er hat Schwierigkeiten damit, wenn der eine oder andere junge Spieler es als selbstverständlich ansieht, in der 2. Liga zu spielen. Und es ärgert ihn, wenn seine Mannschaft nicht ihre Möglichkeiten ausschöpft wie in dieser Saison. Die "gefährliche Situation" habe sich das Team zu großen Teilen selbst zuzuschreiben. "Wir müssen uns fragen, warum wir auswärts fast immer katastrophal spie
len." Drobek hat nur eine Erklärung. "Das muss Kopfsache sein. Ich habe das Gefühl, der TV Bittenfeld spielt nur gut, wenn er
unter Druck steht." Auch möchte Drobek mal erleben, dass der TVB einen Gegner
nach einem großen Vorsprung vom Platz fegt, "da fehlt uns der Killerinstinkt". Drobek glaubt fest daran, dass sich der TVB bald von den hinteren Plätzen entfernen wird. Er hofft, dass das Abwehrtraining von Co-Trainer Klaus Hüppchen Früchte tragen wird. "Die Jungs müssen sehen, wo für sie gearbeitet haben", sagt er. "Abwehr tut weh, aber sie ist der einzige Weg zum
Erfolg."

Ludek Drobek wurde am 23. Dezember 1975 in Karvina (Tschechien) geboren. Er ist 2,02 Meter groß, wiegt 103 Kilogramm und spielt vornehmlich im Rückraum.
Der 45-fache tschechische Nationalspieler spielte außer bei seinem
Heimatverein HCB Karvina in Israel, Italien und Frankreich. Stationen in Deutschland waren MT Melsungen, HSG Niesetal, HC Empor Rostock und FA Göppingen.