Bittenfeld stellt sich der Herausforderung

(twa). Von der Saison 2011/2012 an werden nicht mehr 36 Handball-Zweitligisten in einer Nord- und Südstaffel spielen, sondern in einer gemeinsamen Liga mit 20 Mannschaften. In der übernächsten Saison müssen sich die Teams qualifizieren. Günter Schweikardt, Trainer und Sportlicher Leiter beim TV Bittenfeld, begrüßt die Reform. „Wir trauen uns die eingleisige 2. Bundesliga zu – sportlich und wirtschaftlich“, sagt er im Interview.

Herr Schweikardt, bei der Ligatagung stimmten 40 Vereine für die Einführung der eingleisigen 2. Liga und 13 dagegen. Nachdem in der Vergangenheit die Gegner in der Überzahl gewesen waren, fiel das Votum nun ziemlich deutlich aus. Hat Sie das überrascht?
Eigentlich nicht. Nachdem bereits im Vorfeld eine neue Spielklassenstruktur mit in Zukunft nur vier Regionalligen, also der dritten Liga, und darunter maximal zwölf Oberligen beschlossen worden war, war auch mit einem entsprechenden Votum für die eingleisige 2. Bundesliga zu rechnen.
Ursprünglich sollten sich die Vereine schon in der kommenden Saison für die eingleisige 2. Liga qualifizieren, nun kommt die Reform erst 2011/2012. Halten Sie diese Verschiebung um ein Jahr für sinnvoll?
Ja, die Vereine haben nun mehr Zeit, ihre Strukturen anzupassen und sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.
Der TV Bittenfeld war von Beginn an ein Befürworter der Reform. Das hat viele überrascht. Schließlich fürchten gerade die kleineren Vereine, dass sie in einer eingleisigen 2. Liga finanziell und strukturell nicht mehr mithalten können. Kann die Reform nicht das Ende der Kleinen bedeuten?
Es wird in der Tat eine große Herausforderung für Vereine wie den TVB. Das ist die eine Seite. Andererseits haben wir die Entwicklung des Handballs insgesamt und seine Stellung in der breiten Öffentlichkeit zu sehen. Hier war für uns immer klar, dass eine Verbesserung her muss. Das enorme Leistungsgefälle innerhalb der Bundesligen ist der Attraktivität nicht dienlich. Ein leistungsstärkerer Unterbau ist ein Faktor zur Verbesserung der Situation. Wir reden hier immer über die eingleisige 2. Liga. Viel bedeutender ist für mich die ebenfalls beschlossene Reform der Regionalligen. Mit jetzt nur noch vier Staffeln gewinnen die 3. Ligen enorm an Attraktivität. Darüber hinaus wird das Gefälle zur 2. Liga nicht mehr so krass sein.
Beim TVB haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Ist die eingleisige 2. Liga aber nicht doch eine Nummer zu groß? Die sportliche Herausforderung alleine ist schon immens. Und die Gemeindehalle ist im derzeitigen Zustand auch nicht gerade eine Visitenkarte.
Wir trauen uns zu, die Herausforderung sportlich und wirtschaftlich zu meistern. Dass dies mit einem großen Aufwand verbunden sein wird, ist uns bewusst.
Der TVB setzt bekanntermaßen auf den eigenen Nachwuchs. Der Sprung aus der Jugend ins Zweitligateam hat sich als schwierig erwiesen, er wird in der eingleisigen Liga noch größer sein. Muss sich der TVB von seinem Konzept verabschieden und es, wie viele andere Vereine auch, künftig vorwiegend mit gestandenen Spielern versuchen?
Die Ausbildung von Spielern wird auch weiterhin unsere Basis sein. Ziel ist es, dass auch in Zukunft die Mehrheit der Spieler aus unserer eigenen Jugend oder aus der Region kommt.
Der TV Bittenfeld könnte es sich doch leicht machen: Weshalb begnügt er sich nicht einfach mit der 3. Liga?
Wir haben ehrgeizige Sportler, ein tolles Umfeld, treue Sponsoren sowie eine großartige Fan-Gemeinde. Alle haben das Ziel, guten Handballsport auf möglichst hohem Niveau zu spielen oder zu sehen. Da beantwortet sich die Frage von alleine.
Momentan hat der TVB zwar andere Sorgen, er kämpft gegen den Abstieg. Trotzdem: Haben sich die Verantwortlichen schon konkrete Gedanken darüber gemacht, wie der TVB 2010/2011 unter die ersten Neun kommen und den Etat für 2011/2012 zusammenbekommen will? Es ist kaum anzunehmen, dass in der eingleisigen 2. Liga eine Mannschaft mit Feierabend-Profis auftauchen wird.
Natürlich haben wir unsere Planungen und bauen parallel unsere Strukturen gewissenhaft aus. Aktuell steht unsere sportliche Situation im Fokus. Es muss uns gelingen, in der Tabelle weiter nach oben zu kommen. Ein erster Schritt ist mit dem Sieg gegen Biberau gemacht. Weitere müssen folgen.
Die Befürworter der Reform sind überzeugt davon, dass sich die eingleisige 2. Bundesliga besser vermarkten lässt, eine Plattform für den Nachwuchs und größere sportliche Qualität bieten sowie das Auseinanderdriften zwischen 1. und 2. Liga verhindern wird. Die Kritiker halten dagegen, dass sich der eine oder andere Verein im verzweifelten Bemühen, unter allen Umständen mithalten zu wollen, finanziell übernehmen wird. Dann könnte der Schuss nach hinten losgehen. Insolvente und wenig gewissenhaft wirtschaftende Vereine sind schlecht für den Handballsport. Negative Beispiele gibt’s ja genügend. Glauben Sie, dass eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens – die Vereine sollen künftig alle drei Monate Rechenschaft über Ausgaben ablegen – die Vereine vorsichtiger wirtschaften lässt?
Ich denke schon, dass die Vereine aus der Vergangenheit gelernt haben. Ein transparentes, funktionierendes Lizenzierungsverfahren hilft allen.