TVB erstürmt Veste Coburg

Mit einer bravourösen Leistung besiegte Handball-Zweitligsit TV Bittenfeld in Coburg den Tabellenachten und Favoriten HSC 2000 Coburg mit 31:30 (12:14) Toren. Trotzdem rangieren die Bittenfelder weiter auf Platz 14, sie haben jedoch den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößert und den Anschluss an das Mittelfeld hergestellt.

Die Veste Coburg, die Burganlage oberhalb der Stadt, wurde nie erobert. Die Coburger Karl-Heinz-Hiersemann-Halle nun nahm der TVB in letzter Minute. Mit einem Klassespiel machte er da weiter, wo er eine Woche zuvor in Obernburg aufgehört hatte: Erneut waren noch 70 Sekunden zu spielen, wieder stand es Unentschieden, aber diesmal donnerte der in der Schlussphase des Spieles zur Bestform auflaufende Jürgen Schweikardt den Ball unhaltbar in das gegnerische Tor zum 31:30 für den TV Bittenfeld. Mit einem letzten verzweifelten Anstürmen reagierte Coburg wütend auf den erstmaligen Rückstand – vergebens. Benny Krotz im TVB-Tor parierte reaktionsschnell den von Rechtsaußen Göhl knallhart ins kurze Eck geworfenen Ball.

Der Zweitligist präsentierte sich im Coburger Hexenkessel vor über 1100 fanatischen Zuschauern, darunter 30 TVB-Fans, in vorzüglicher Verfassung. Hellwach, kampfstark, mannschaftlich geschlossen, selbstbewusst, gab es kaum Ausfälle, von Björgvin Gustavsson und Kai Häfner abgesehen. Diese beiden standen Trainer Henning Fröschle nicht zur Verfügung. Silbermedaillengewinner Gustavsson spielte mit seiner isländischen Nationalmannschaft gegen Deutschland, und Häfner musste wegen Sprunggelenkproblemen kurzfristig von einem Einsatz absehen. Dafür kamen Steffen Lehle (Tor) und Valentin Weckerle neu in die Mannschaft, in der Rechtsaußen Marco Hauk nach seiner schweren Verletzung (Kieferbruch) ein großartiges Comeback feierte.

Der TVB machte von Beginn an Druck. Nicht nur im Positionsspiel deutlich verbessert, wurde mit hohem Tempo nach vorne gespielt. Dabei zeigte insbesondere Hauk, wie wertvoll seine Rückkkehr für die Mannschaft ist. Explosiv und antrittsschnell sprintete er seinen Gegenspielern förmlich davon und brachte mit technisch perfekten Würfen und sieben Toren Coburgs Top-Torwart Martinsen nahezu zur Verzweiflung. Auch der Spielaufbau funktionierte, Ball- und Laufwege stimmten. Jürgen Schweikardt und Sebastian Seitner führten prima Regie.

Technische Fehler gab es nur wenige, dafür wurden jedoch einige gute Torchancen nicht genutzt. So bei zwei Siebenmetern (Schweikardt, Schöbinger) und mehreren Tempogegenstößen (Evgeni Prasolov). Unterstützt von einer aggressiv und offensiv operierenden Abwehr, in der Torwart Krotz nicht immer der gewohnt sichere Rückhalt war – Steffen Lehle hielt bei seinem Kurzeinsatz einen Siebenmeter -, zwangen daher Spielfluss und Tempo, die stärkere Dynamik und Wurfkraft die frustrierten Nordbayern letztlich in die Knie.

Nach dem 1:0 für die Gastgeber und dem prompten Ausgleich durch Adrian Wehner ging es Schlag auf Schlag: 2:2 Hauk, Hauk mit fünf Treffern, Wehner und Seitner sowie Schweikardt mit zwei Siebenmetern lassen nur einen Rückstand von 14:12 bis zur Pause zu. Beim 22:22 durch Wehner war der TVB erstmals wieder dran, 23:23 Ludek Drobek, 24:24 Alexander Heib. Der TVB will jetzt mehr: 25:25 Youngster Marcel Lenz, Simon Baumgarten verkürzt auf 27:28, 28:28 Jürgen Schweikardt, der mit genialen Toren das 29.29, 30:30 und auch noch das 31:30-Siegtor erzielt.

Fazit: Es war ein überzeugender Auftritt und ein richtig gutes Handballspiel, in dem der TVB die bessere und spielstärkere Mannschaft war. Liga-Spitzenreiter HSG Düsseldorf kann kommen.

TV Bittenfeld: Krotz, Lehle (44. Min. bis 52. Min.); Seitner (5 Tore), Schöbinger, Prasolov (1), Lenz (1), Schweikardt (9/4), Heib (2), Baumgarten (1), Hauk (7), Drobek (1), Wehner (4), Weckerle;

HSC 2000 Coburg: Martinsen, Selke; Briem, Werner, Göhl (2), Pack (4), Fladt, Lakiza (6/3), Schulz (3), Suma (9), Werner (2), Lendner (4), Schuhmann, S., Schuhmann, C..

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Horst Jung