Schwächen in der Abwehr

Wie in der vergangenen Saison, so unterlagen die Bittenfelder Zweitliga-Handballer auch in dieser Saison bei Tuspo Obernburg mit einem Tor Unterschied. Es war eine ausgesprochen ärgerliche Niederlage. Nach dem 29:30 (15:17) bleibt der TVB mit 9:15 Punkten im Tabellenkeller. Der Abstand zum Tabellenneunten EHV Aue beträgt allerdings nur drei Punkte. Ein Rückstand, den der TVB in den kommenden Spielen wettmachen sollte.

Der TVB muss sich diese Niederlage selbst zuschreiben. Schwächen in der Abwehr machten es Obernburg zu leicht, einfache Tore zu erzielen. Der TVB-Angriff schlug aus den technischen Fehlern des Gegners zu wenig Kapital. Der TVB kämpfte zwar bis zum Schluss. Aber gerade in der dramatischen Schlussphase fehlte in entscheidenden Situationen die Souveränität.

Obernburg hatte sich mit einer aggressiven Abwehr auf den Bittenfelder Angriffsschwung, insbesondere auf das rechte Flügelduo Seitner/Häfner, eingestellt. Das Bittenfelder Angriffsspiel lahmte, vieles blieb Stückwerk. Auch die Spielabläufe stimmten nicht mehr, die Außen wechselten viel zu früh nach innen und machten dadurch die Räume zu eng.

Dass der Spielaufbau phasenweise trotzdem funktionierte, lag an der individuellen Klasse einzelner. Adrian Wehner und Jürgen Schweikardt machten ein prima Spiel, auch Alexander Heib nützte mit seiner Schnelligkeit spielintelligent das viel zu selten praktizierte Tempospiel des TVB. Hier hätte man sich für ihn und in der ersten Spielhälfte für Wehner deutlich mehr Spielanteile gewünscht. Simon Baumgarten hatte es am Kreis schwer.

Der Abwehrverband des TVB operierte in der ersten Spielhälfte viel zu defensiv und unflexibel. Für Benny Krotz und Björgvin Gustavsson, von der 18. Minute im Tor, wurden die Aufgaben dadurch nicht einfacher. Der isländische Nationaltorwart steigerte sich allerdings im Laufe des Spieles.

Deutlich effektiver und wirkungsvoller war das Abwehrverhalten nach der Pause: mit 4:2- und 3:3-Formationen, die Kreise von Tuspo-Spielmacher Justus und Volk wurden nun erheblich gestört. TVB-Youngster Marcel Lenz offenbarte dabei in seiner offensiven Rolle viel Talent. Ludek Drobek jedoch war nicht der gewohnte Stabilisator in der Deckung, ihm scheint seine Achillessehnenverletzung noch zu behindern.

Der TVB begann schwungvoll. Die Tore zum 3:3 erzielte Wehner. Bereits nach dem 4:3 durch Justus lief der TVB-Motor nur noch stockend bis zum Pausenstand von 17:15 für die Obernburger. Seitner und die beiden Außenspieler Häfner und Prasolov waren fest im Griff der Obernburger Deckung. So mussten Jürgen Schweikardt und Baumgarten, unterstützt von Heib, die Akzente setzen. Eindrucksvoll, wie Jürgen Schweikardt sein Herz in beide Hände nahm und mit Klasse-Toren und Anspielen seine Mannschaft im Spiel hielt. Schmerzlich vermisst wurde in dieser Phase Wehner, dessen Dynamik und Wurfkraft sich mit Schweikardt ergänzt hätte.

Nach der Pause dauerte es bis zur 44. Minute, ehe die TVB-Abwehr den Gastgeber einigermaßen im Griff hatte. Nun traf auch Seitner. Beim 26:25 durch Baumgarten war der TVB dran und auch die druckvollere Mannschaft. In der 50. Minute schaffte wieder Baumgarten den Ausgleich zum 26:26. Häfner erzielte den Ausgleich zum 27:27. Dann scheiterte er aber, genau wie Sebastian Seitner, an Keeper Hacko.

Obernburg konterte mit dem 29:27, Schweikardt verkürzt auf 29:28. Hoffnung kam auf, als Gustavsson einen Siebenmeter hielt und Wehner für das 29:29 sorgte. Den letzten und entscheidenden Treffer zum 30:29 erzielten die Obernburger. Der letzte Angriff des TVB verpuffte.

TV Bittenfeld: Krotz, Gustavsson; Seitner (4), Schöbinger, Prasolov (1), Lenz, Schweikardt (10/5), Heib (2), Baumgarten (3), Drobek, Häfner (2), Wehner (7)

Tuspo Obernburg: Hacko, Nießner; Conrad (4), Hain, Justus (8), Niznan (1), Reuter (4), Schmittner, Wilhelm, Fetser (4/1), Klimmer, Milde (3), Schmid, Volk (6)

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Horst Jung