Jubelgesang und Pfeifkonzert

Für die Fans aus dem Rems-Murr-Kreis war’s ein toller Sonntagnachmittag in der Stuttgarter Porsche-Arena. Zuerst fegten die SF Schwaikheim den Ex-Bundesligisten VfL Pfullingen mit 40:29 vom Platz. Anschließend zeigte der TV Bittenfeld, dass er doch noch richtig gut Handball spielen kann, und schlug die HR Ortenau mit 31:29. Die 5400 Fans waren aus dem Häuschen – pfiffen sich aber auch die Finger wund.

Es lief die 42. Minute in der Porsche-Arena. Mit Kai Häfner musste zum ersten Mal ein Bittenfelder für zwei Minuten vom Feld, nach Rafal Glinskis Treffer war der Sechs-Tore-Vorsprung der Bittenfelder auf zwei Treffer geschmolzen. Jürgen Schweikardts 23:20 sorgte für Jubelgesänge bei den Fans. Sekunden später demonstrierten sie, dass sie auch inbrünstig pfeifen können. Gästetrainer Goran Suton, von den Schiedsrichtern Hartmut Gentes und Martin Franz acht Minuten zuvor bereits verwarnt, rannte aufs Spielfeld. Sein Rechtaußen Vladimir Temelkov war nach Schweikardts Wurf verletzt liegen geblieben, Suton monierte lautstark einen Regelverstoß Schweikardts. Ein paar Minuten später hatten die Schiedsrichter genug, verhängten gegen Suton eine Zwei-Minuten-Strafe. Suton war nicht der einzige Buhmann. HR-Torhüter Daniel Sdunek legte sich mit dem Publikum an, vier Minuten vor Schluss gab’s auch für Martin Valo ein gellendes Pfeifkonzert. Der Slowake verweigerte nach einem Foulspiel die Entschuldigung von Florian Schöbinger. „Solche Aktionen sind uns natürlich reingelaufen“, sagt der Bittenfelder Trainer Henning Fröschle, der Sutons Kritik an den Schiedsrichtern nicht teilte. „Sie hatten eine klare Linie und haben das Spiel unterm Strich nicht beeinflusst.“

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Es gab etliche Gründe für den verdienten Sieg der Bittenfelder. Zwei Spieler, die zuletzt ziemlich in der Kritik gestanden hatten, waren maßgeblich beteiligt: Jürgen Schweikardt und Florian Schöbinger, in der vergangenen Saison große Stützen im TVB-Team, traten viel selbstbewusster auf als zuletzt. Konzentriert im Abwehrzentrum, entschlossen und nervenstark im Angriff. Schweikardt ließ sich auch vom einen oder anderen Fehlwurf nicht entmutigen. „Er hat ein klasse Spiel gemacht“, sagt sein Trainer Henning Fröschle. Ein paar „Fahrkarten“ seien jedem Spieler zugestanden. „Entscheidend ist, dass sie überhaupt werfen.“

Wichtig für den Bittenfelder Sieg war Schöbingers Nervenstärke vom Siebenmeterpunkt. Achtmal trat er an, achtmal verlud er die Ortenauer Torhüter. „Der erste Siebenmeter ist immer der schwierigste“, sagt Schöbinger. „Wenn ich den reinmache, habe ich einen kleinen Vorteil.“ Ein bisschen Glück „bei diesem kleinen Spielchen mit dem Torhüter“ gehöre natürlich dazu.

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Kai Häfner spielt in erster Linie für FA Göppingen. Ist der Erstligist spielfrei, darf der 19-Jährige für den TVB ran. Bei seinem zweiten Auftritt in dieser Saison zeigte der Linkshänder, wie wertvoll er für den TVB ist. „Ich denke, ohne ihn hätten wir das Spiel nicht gewonnen“, sagt Fröschle. Er sei eine prima Alternative für Sebastian Seitner im rechten Rückraum und habe auf der Halbposition sehr gut verteidigt.

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Erst kurz vor dem Spiel kehrte Björgvin Gustavsson von der isländischen Nationalmannschaft zurück. „Ich war froh, dass er da war“, sagt Fröschle. Gebraucht hat er den Olympiazweiten nicht, zu gut hielt Benjamin Krotz. Gustavsson erlebte seine Porsche-Arena-Atmosphäre also von der Bank aus. Fröschle hat kurz überlegt, ihn in der Schlussphase zu bringen. „Ich weiß aber nicht, ob ich ihm damit einen Gefallen getan hätte.“ Schließlich ließ es der TVB angesichts des Vorsprungs in der Defensive etwas lockerer angehen.

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Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Thomas Wagner