TVB weiter in der Talsohle

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld gelang es nicht, seinen Vorjahres-Erfolg in Wiesbaden zu wiederholen. Mit ihrer 28:31-Niederlage (16:15) beim Tabellennachbarn SG Wallau entfernte sich der TVB noch weiter vom Mittelfeld und findet sich nun auf dem 16. Tabellenplatz, in der Abstiegszone, wieder. Auch das Lazarett ist nicht kleiner geworden: Ludek Drobek hat sich an der Achillessehne verletzt. Keine gute Aussichten also für die nächsten Spiele.

Eigentlich wollte der TVB seine deprimierende Niederlagenserie in Wallau beenden. Eigentlich. Dass aus dem Vorhaben jedoch nichts wurde, hat weitergehende Ursachen, die nicht mit Parolen oder Schlagworten zu eliminieren oder zu beseitigen sind. Tiefergehende Analysen sind da schon gefragt, schließlich ist die Krise offensichtlich und nicht etwa herbeigeredet oder -geschrieben.

Nach diesem mit Abstand schlechtesten Start in die Bundesligasaison ist jetzt der ganze TVB gefordert, um die richtigen Schritte zu tun. Bei dieser Gemengelage von Enttäuschung, Wut, Frust, Unlust – wegen Erfolgslosigkeit, sich ausbreitender Distanz – auch bei den Fans, kann die Last der Verantwortung nicht mehr nur von wenigen einzelnen, ob Spieler oder Teamverantwortliche, wahrgenommen werden wollen. Der Weg aus der Krise ist nur gemeinsam möglich: Spieler, Trainer, Management-Verantwortliche, Fans. Alle, die den Bittenfelder Handball lieben und sich mit ihm identifizieren. Die Mannschaft ist in Not. Schönreden und Schöndenken führt nicht weiter.

In dieser Form gehören beide Teams zu den Abstiegskandidaten

Es ist eine falsche Wahrnehmung der Realität, wenn beide Trainer, wie bei der Pressekonferenz nach dem Spiel, davon sprechen, „ein gutes und schnelles Spiel“ gesehen zu haben und sich ihre gegenseitige Wertschätzung bekunden. Nein, es war alles andere als ein gutes Spiel – zudem von zwei Mannschaften, die in dieser Form am Ende zu den Abstiegskandidaten gehören werden. Die Frage der Fans nach dem Spiel lautete deshalb nicht zu Unrecht „Gegen wen können wir eigentlich noch gewinnen?“ Delitzsch, als Mannschaft der Stunde, sowie andere Teams hätten mit beiden wenig Mühe gehabt.

Beim TVB ist im Leistungsniveau kein Fortschritt erkennbar. Das Team tut sich im Angriffsspiel, aber auch in der Abwehr unendlich schwer. Zudem wirken einige Leistungsträger physisch blass, nicht fit oder übertrainiert. Die Mannschaft braucht jetzt zwingend ein Erfolgserlebnis, am besten gegen einen auf dem Papier übermächtigen Gegner, damit die Freude wieder zurückkehrt.

Trotz vieler technischer Fehler und vergebener Torchancen war der TV Bittenfeld in der ersten Spielhälfte die spielbestimmende Mannschaft. Zwar ging Wallau mit 2:0 in Front, aber der TVB konterte und ging ab dem 3:3 bis zum 12:12 immer mit zwei bis drei Toren in Führung. Das Zusammenspiel von Seitner, Wehner und Schweikardt mit Kreisläufer Simon Baumgarten klappte meistens, und dieser ließ sich wieder einmal nicht lumpen: Sechs Tore in den ersten 30 Minuten waren sein Markenzeichen. 12:9 führte der TVB in der 20. Minute. Dabei hatte er es versäumt, aus einer Vielzahl klarer Chancen von Außen und aus dem Rückraum weitere Tore zu werfen. Urplötzlich riss der bis dahin mühsam konstruierte Fluss im Spiel. Wallau ging mit vier Toren in der 24. Minute mit 13:12 in Führung. Drobek verletzte sich in der 28. Minute bei einem zu lässigen Anspiel eines Mitspielers an der Achillessehne und konnte nicht mehr mitwirken. Trotzdem reichte es noch zur 16:15-Pausenführung.

Sofort nach Wiederanpfiff fiel der Ausgleich. Beim TVB wurde der Spielfluss immer dürftiger, Überzahlsituationen wurden nicht genutzt. Schlechte Anspiele, unplatzierte Würfe und sich häufende Ballverluste machten den Gegner stärker. In der Schlussphase, ab dem 24:24 (45.) erschöpften sich Physis, Psyche und spielerische Mittel immer mehr. Der TVB konnte nicht mehr dagegenhalten, obwohl die Torhüter Björgvin Gustavsson und Benjamin Krotz mit einer passablen Leistung aufwarteten und drei Siebenmeter hielten.

Nicht auszuschließen, dass Alexander Heib in dieser Phase eine alternative Entlastung gewesen wäre. Ein Versuch wäre es zumindest wert gewesen.

SG Wallau: Beer, Tillmann; Ehrmann (1), Schulz (1), Lorenz, Plattner (6), Fäth (3), Roßmeier, Zölis (1), Stumps (6), Linder (4), Schimmelbauer (3), Hahn (6)

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (4), Schöbinger (3/1), Prasolov, Lenz, Schweikardt (4), Baumgarten (8), Heib, Kleefeld (1), Krammer (3), Wehner (4), Drobek (1)

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Horst Jung