Der TVB vergrault seine Fans

Mit einer desolaten Vorstellung hat Handball-Zweitligist TV Bittenfeld seine Fans vergrault. Bei der 21:32-Niederlage (11:17) ließ sich der TVB vom SV Concordia Delitzsch vorführen und rutschte auf den Relegationsplatz ab. Die Leistung gibt Anlass zur Sorge: In dieser Verfassung werden die Bittenfelder erhebliche Problem bekommen.

Das hat’s in der Bittenfelder Gemeindehalle noch nie gegeben: Zehn Minuten vor Schluss verließen etliche Zuschauer ihre Plätze, wollten das bittere Ende wohl nicht mehr miterleben. Schnell in der Kabine verschwunden waren auch die Bittenfelder Spieler nach ihrem überaus schwachen Auftritt gegen die engagiert spielenden und kampfstarken Delitzscher.

TVB-Trainer Henning Fröschle brauchte länger als üblich, bis er zur Pressekonferenz auftauchte – blass im Gesicht und restlos bedient nach besorgniserregenden 60 Minuten. Nicht die Niederlage an sich hat viele Fragen aufgeworfen. Es war die Hilflosigkeit eines Teams, das nach den guten Leistungen in Bietigheim und gegen den Bergischen HC eigentlich auf einem guten Weg schien.

Sebastian Seitner erzielte die ersten drei Tore für den TVB zum 3:2 nach knapp drei Minuten in einer von hohem Tempo geprägten Anfangsphase. Zu diesem frühen Zeitpunkt durften sich die Fans noch Hoffnungen machen auf ein unterhaltsames Spiel. Sie ahnten noch nicht, dass sie damit die beste Phase der Bittenfelder schon erlebt hatten.

Die Delitzscher schonten sogar ihren Torjäger

Delitzsch präsentierte sich als sehr homogenes, kampfstarkes Team. Variabel spielten die Ostdeutschen im Angriff über die Außen und den Kreis. Im Rückraum zog der überragende 23-jährige Philipp Seitle die Fäden. Die Delitzscher konnten es sich sogar leisten, den aktuellen Torschützenkönig der 2. Liga, Martin Hummel, weitgehend zu schonen.

Einen noch stärkeren Eindruck hinterließ die Concordia in der Abwehr. Im Zentrum hatte Routinier Alexander Pietzsch den Bittenfelder Kreisläufer Simon Baumgarten im Griff, und auf der vorgezogenen Position spielte Ulrich Streitenberger überragend. Den Bittenfeldern fehlten die Ideen, zu ausrechenbar und phlegmatisch bauten sie ihre Angriffe auf. Torgefahr ging im Grund nur von Adrian Wehner aus – auch wenn ihm etliche Aktionen misslangen.

Mit sieben Toren in Folge zog Delitzsch vom 2:3 auf 9:3 davon (14. Minute), zwölf Minuten blieben die einfallslosen Bittenfelder ohne Tor. Hoffnung kam bei den Fans auf, nachdem der TVB mit fünf Treffern in Folge binnen zehn Minuten von 6:13 auf 11:13 verkürzt hatte (27.). In dieser Phase zeigte die Abwehr mehr Biss. Torhüter Benjamin Krotz, der wie Björgvin Gustavsson keinen allzu guten Tag erwischte, hielt ein paar Bälle.

Die Aufholjagd fand jedoch ein jähes Ende. Die Delitzscher nutzten die Zwei-Minuten-Strafe gegen Seitner sowie technische Fehler und schwache Torabschlüsse des TVB rigoros aus und gingen mit einer komfortablen und verdienten 17:11-Führung in die Pause.

Schnell erzählt sind die zweiten 30 Minuten. Die Zeitstrafe gegen Jürgen Schweikardt wegen Meckerns kurz nach Wiederanpfiff der nicht immer souveränen Schiedsrichter Thomas Kern und Thorsten Kuschel war symptomatisch für den Auftritt der Bittenfelder. Nach dem 15:20 durch Florian Schöbinger (37.) vergab der TVB fahrlässig einen von etlichen Gegenstößen. Es war die letzte Möglichkeit, vielleicht noch einmal an die Delitzscher heranzukommen.

Ein paar Minuten später musste auch Seitner wegen Meckerns auf die Strafbank – ein Ausdruck des Frustes und der Hilflosigkeit. Delitzsch hatte in der Schlussphase viel Spaß am Spiel, wagte gar in Unterzahl einen Kempatrick und führte die Bittenfelder in deren Halle vor bis zum aus TVB-Sicht deprimierenden 21:32. Waren die Bittenfelder zuletzt in Aue in den letzten zehn Minuten ohne Tor geblieben, schafften sie diesmal in den letzten 16 Minuten magere drei Treffer.

Diese unterirdische Ausbeute ist nicht der einzige Grunde zur Sorge.

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (4), Schöbinger (3/1), Weckerle (1), Prasolov (2), Lenz, Schweikardt (1), Heib, Baumgarten (2), Wehner (7), Drobek (1).

SV Concordia Delitzsch: Pulay; Röttig, Löffler (3), Meiner (2), Streitenberger (5), Hummel (1), Oehlrich (4), Maltsev (1), Weiß, Jacob (2), Riehn (4), Seitle (10/1), Pietzsch

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Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Thomas Wagner