Favorit am Rande der Niederlage

Der TV Bittenfeld hat eine große Chance verpasst, sich in der Spitzengruppe der 2. Handball-Bundesliga festzusetzen. Der TVB hatte das Spitzenteam Bergischer HC dank einer starken Leistung am Rande der Niederlage. Doch nach der 34:32-Führung schwächelten die Bittenfelder in der Schlussphase und mussten sich den cleveren Löwen vor 1100 Zuschauern mit 34:36 geschlagen geben.

Der Frust stand den Bittenfeldern nach 60 hochklassigen und spannenden Minuten ins Gesicht geschrieben. So recht wusste keiner, weshalb das Spiel gegen den Bergischen HC verloren gegangen war. Schließlich hatten die Bittenfelder gegen ein Top-Team der 2. Bundesliga zuvor fast alles richtig gemacht.

Sieben Minuten vor dem Ende führte der TVB mit 34:32. Dann demonstrierte der BHC, weshalb er eine Spitzenmannschaft ist. „Da ist der Gegner einfach weiter als wir“, sagte der enttäuschte TVB-Torhüter Benjamin Krotz, der eine überzeugende Leistung zeigte.

Die Voraussetzungen, einen der Großen zu ärgern, waren gut: Der TV Bittenfeld trat zum ersten Mal in dieser Saison in Bestbesetzung an. Kai Häfner, mit Zweifachspielrecht beim Erstligisten Frisch Auf Göppingen ausgestattet, feierte sein Saisondebüt. Und der Sieg in Bietigheim hatte für zusätzliches Selbstbewusstsein besorgt.

Dass der Bergische HC in dieser Saison nicht nur irgendwie mitspielen will, zeigt die Verpflichtung unter der Woche. Die Löwen reagierten auf die schwere Knieverletzung ihres Torhüters Ivan Zoubkoff und holten den ehemaligen Nationalkeeper Chrischa Hannawald (TV Großwallstadt) aus dem Ruhestand. In Bittenfeld ließ er allerdings Mario Huhnstock den Vortritt.

Zunächst indes war’s nicht das Spiel der Torhüter. Bei den Bittenfeldern bekam Björgvin Gustavsson keinen Ball zu fassen. Der Isländer machte nach zwölf Minuten folgerichtig Platz für Benjamin Krotz. Hannawald ersetzte sechs Minuten später den ebenfalls glücklosen Huhnstock.

Beide Mannschaften drückten vom Start weg mächtig aufs Tempo. Ludek Drobek schaffte nach 16 Minuten beim 10:9 die erste Führung für den TVB, der nun immer sicherer wurde. Krotz war der große Rückhalt hinter der aufmerksamen Abwehr. Nur Alexander Oelze und Elvir Selmanovic bekam der TVB nicht in den Griff.

13:10 führte Bittenfeld nach 18 Minuten und hatte den BHC auch nach dem Treffer zum 17:15 des stark verbesserten Adrian Wehner drei Minuten vor dem Ende der ersten 30 Minuten im Griff. Drei Zeitstrafen binnen kurzer Zeit brachten den TVB aus dem Tritt, so ging der Bergische HC mit 18:17-Führung in die Halbzeit.

Auch nach der Pause blieb der TVB in doppelter Unterzahl. Jürgen Schweikardt, der nie richtig ins Spiel fand, musste auf die Strafbank. Entscheidend ins Hintertreffen kamen die Bittenfelder aber nicht, auch wenn sie sich von den nicht immer souverän wirkenden Schiedsrichtern Matthias Knapp und Martin Puchinger benachteiligt sahen – im Gegenteil: Sie holten sich die Führung zurück.

In der 42. Minute verwandelte Florian Schöbinger seinen fünften von sieben Strafwürfen zum 24:23, dann drehte Sebastian Seitner auf. Beim 29:26 (47.) schien der TVB auf dem besten Weg zur Überraschung, verpasste aber die Vorentscheidung. Kai Häfner, der in seinem ersten Spiel nervös wirkte und nicht für die nötige Entlastung Seitners sorgte, unterlief ein technischer Fehler. Kristian Nippes glich zum 30:30 aus (50.).

Noch einmal, beim 34:32, hatte der TVB die Möglichkeit davonzuziehen. Hannawald hielt den BHC aber im Spiel. Der in der Schlussphase überragende Nippes glich zum 34:34 (56.) aus. Dem TVB fiel gegen die offensive Deckung der Gäste nun nichts mehr ein. Nahe am Zeitspiel, schloss er zu ungenau ab oder leistete sich technische Fehler. Die Löwen nutzten diese Schwäche der Bittenfelder, Nippes sorgte mit zwei Toren in den letzten eineinhalb Minuten für den 36:34-Sieg des BHC.

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (7), Schöbinger (7/7), Prasolov (3), Lenz, Schweikardt, Heib, Baumgarten (5), Häfner (2), Wehner (5), Hauk (2), Drobek (3).

Bergischer HC: Huhnstock, Hannawald; Fuchs, Nippes (5), Hoße (4), Vitek (1), Hinze (4), Quade, Wendtlandt, Selmanovic (7), Kluge (3), Oelze (12/5), Reinarz, Billen.

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung – Thomas Wagner