Ein Lob für den Küken-Rückraum

Die Niederlage des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart beim SC Magdeburg war einkalkuliert. Dass sie mit 26:34 recht deutlich ausfiel, stört Markus Baur zwar ein bisschen. „In der Schlussviertelstunde war der Akku leer und der eine oder andere auch ein bisschen überfordert.“ Im Großen und Ganzen indes war der TVB-Trainer „über weite Strecken sehr zufrieden“.

Eine Niederlage mit acht Toren Differenz lässt Fragen offen. Wer das Spiel des TVB in Magdeburg gesehen habe, könne diese Fragen relativ leicht und schlüssig beantworten, sagt der TVB-Coach Markus Baur. Normalerweise. „Mich ärgert es allerdings, wenn trotzdem noch einer wissen will, was da denn los war.“

Marian Orlowski muss vom Spielfeld
Zunächst einmal hat die medizinische Abteilung des TVB derzeit alle Hände voll zu tun. Die Langzeitverletzten Djibril M’Bengue und Felix Lobedank befinden sich in der Rehabilitation – Wiederkehr ungewiss. Die Fäden an Dominik Weiß’ operierter Wade werden an diesem Dienstag gezogen. „Dann werden wir sehen, wie’s weitergeht.“ Mit Michael Kraus ist seit Donnerstag nun der vierte Rückraumspieler im Wartestand: Der Spielmacher hat sich am Rücken verletzt und fuhr erst gar nicht mit nach Magdeburg. Für den fünften Rückraum-Akteur kam in der Getec-Arena nach knapp zehn Minuten das Aus: Marian Orlowski musste nach einem Schlag auf das Knie das Spielfeld verlassen. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

Trainer zum Improvisieren gezwungen
„Wenn wir ohne Weiß, Orlowski und Kraus spielen, ist das so, wie wenn bei Magdeburg Bezjak, O’Sullivan und Damgaard ausfallen“, sagt Markus Baur. „Dann wird’s für den SCM auch schwierig.“ Der TVB-Trainer war also zum Improvisieren gezwungen. Anders ausgedrückt: Der Rückraum stellte sich quasi von selbst auf. Mit Stefan Salger und Michael Schweikardt standen lediglich noch zwei „Experten“ zur Verfügung. So spielte der junge Max Häfner (21), eigentlich auf Linksaußen eingeplant, in der Distanz-Zone. Auch die gelernten Rechtsaußen Bobby Schagen und Finn Kretschmer tummelten sich auf ungewohntem Terrain – für kurze Zeit sogar beide zusammen. Damit kam Sascha Pfattheicher auf Rechtsaußen zu seinem Bundesliga-Debüt und machte seine Sache gut.

Noteinsatz von Baumgarten
Nicht geplant war der Einsatz von Simon Baumgarten, der unter der Woche wegen Rückenproblemen nicht trainiert hatte. Angesichts des Personalnotstandes musste der Kreisläufer allerdings ebenfalls ran. Die Kreisposition indes war nicht das Problem in Magdeburg: Manuel Späth machte eine gute Partie, allen voran das Zusammenspiel mit dem ideenreichen Spielmacher Michael Schweikardt funktionierte gut. In der Deckung bildete Späth mit dem Schweizer Samuel Röthlisberger den Mittelblock, der die Magdeburger über zwei Drittel der Partie vor Probleme stellte.

Mangelnde Erfahrung führt zu leichten Fehlern
So lange, bis sich im TVB-Spiel leichte Fehler einschlichen. „In der letzten Viertelstunde haben wir unsere Linie verlassen“, sagt Baur. Mit zu schnellen und schlecht vorbereiteten Abschlüssen habe seine Mannschaft die Magdeburger quasi eingeladen. „Das passiert halt, wenn du so jung bist, da fehlt einfach die Erfahrung.“ So hätten mit Salger und Häfner zwei 21-Jährige 50 Minuten auf dem Spielfeld gestanden – mit zusammen erst drei Bundesligaspielen auf dem Buckel.

Angesichts der Umstände war Baur mit dem Auftritt seines Teams sehr zufrieden. „Wir haben Magdeburg lange vor Aufgaben gestellt“, sagt Baur. „Es hätte auch ganz anders laufen können.“

TVB im hinteren Mittelfeld
In der – angesichts der unterschiedlichen Anzahl der Spiele – schiefen Tabelle steht der TVB mit 2:4 Punkten im hinteren Mittelfeld. Und er befindet sich, was die Minuspunkte angeht, in bester Gesellschaft: Die Titelanwärter THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt haben ebenfalls schon zweimal verloren. Der Gegner des TVB am Sonntag (12.30 Uhr) in der Scharrena hat sich im vierten Spiel die ersten Punkte gesichert: Die Eulen Ludwigshafen bezwangen den bisher so stark aufspielenden TBV Lemgo mit 24:20.

Die Bittenfelder dürften also vor einer unangenehmen Aufgabe stehen. Und sie müssen mit der Favoritenrolle gegen den Aufsteiger klarkommen. Ganz gleich, mit welchem Personal sie antreten werden.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW