TVB sichert Klassenerhalt

Nach der Schlusssirene zeigen die TVB-Spieler vor der Ecke der treuen Bittenfelder Fans einen Pogo-Tanz der sich gewaschen hat. Danach steht der wieder einmal herausragende Keeper Johannes „Jogi“ Bitter in Strümpfen auf dem Feld und genehmigt sich einen großen Schluck Bier. „Wir hätten heute gewinnen müssen, aber scheißegal“, sagt er und grinst von einem Ohr zum anderen. Ein paar Meter weiter fallen sich Trainer Markus Baur und TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt in die Arme „Ich bin überglücklich“, so der Coach. „Es ist zehnmal schöner, wenn man sich selber belohnt, als wenn man von anderen abhängig ist!“ Und aus Schweikardt sprudelt es hervor: „Ich bin unglaublich erleichtert. Das war heute super! Was die Spieler die letzten Wochen gemacht haben, war herausragend. Sie haben den Klassenerhalt verdient!“ Der Geschäftsführer ist völlig geschafft.

Hochverdiente Führung

Kein Wunder nach dieser Schlussphase. Hochverdient hatte der TVB zur 44. Minute mit fünf Toren geführt (23:18). Dann bäumten sich die Gastgeber, nach vorne gepeitscht von der überwiegenden Zahl der insgesamt 5300 Fans, noch einmal auf, zeigten ihre Klasse und machten das Derby wieder spannend. In der 57. Minute erzielte FA den 25:25-Ausgleich, die Halle tobte. Eine Minute später traf der gute Felix Lobedank zum 26:25 für die Bittenfelder, im Gegenzug war Bitter bei einem Wurf zur Stelle. Es war seine 16. Parade. Zum Vergleich: Die Göppinger Torhüter Bastian Rutschmann, früher beim TVB aktiv, und Primoz Prost kamen zusammen auf gerade einmal sieben gehaltene Bälle. TVB-Coach Baur nahm in der 59. Minute noch einmal eine Auszeit, doch im folgenden Angriff scheiterte das Team an – Prost. Unmittelbar vor der Schlusssirene bekam Göppingen einen Siebenmeter zugesprochen, den der starke Marcel Schiller zum 26:26-Endstand versenkte. Danach jubelten alle. Die Gastgeber, weil sie das Derby nicht verloren hatten, und die Bittenfelder – aber das hatten wir schon.

Der Bergische HC siegt deutlich und muss doch runter in Liga zwei

Der TVB hätte sich auch eine knappe Niederlage leisten können. Zwar gewann der Bergische HC zu Hause gegen den TSV Hannover-Burgdorf, der damit in der Rückrunde ohne Sieg geblieben ist, mit 32:24. Doch um Bittenfeld noch auf den drittletzten Platz zu verweisen, hätte der BHC 16 Tore gutmachen müssen. Und weil der Viertletzte TBV Lemgo im ebenfalls zeitgleichen Abstiegsduell mit 32:31 über den VfL Gummersbach triumphierte, muss der Bergische HC als dritter Absteiger gemeinsam mit dem HSC Coburg und der HBW Balingen-Weilstetten runter in Liga zwei.

Göppingen ging personell auf dem Zahnfleisch

Trotz der guten Ausgangslage war die Anspannung bei den Bittenfeldern vor der letzten Partie groß gewesen. Zugute kam den Gästen, dass Europapokalsieger Göppingen personell auf dem Zahnfleisch ging und mit nur acht Feldspielern antrat, darunter der künftige Bittenfelder Manuel Späth. Beide Teams starteten mit viel Tempo, die Partie war bis zum 7:7 durch den starken TVB-Spieler Marian Orlowski (15.) sehr ausgeglichen. Herausragend bei Göppingen im voraussichtlich letzten Spiel seiner Karriere war Rückraum-Shooter Lars Kaufmann, der mit acht Toren zum besten Werfer des Derbys avancierte.

Bitter zeigte, warum er ein Großer ist

Nach seinem Treffer zum 10:7 (18.) nahm TVB-Coach Baur eine Auszeit. Danach stand die TVB-Abwehr immer sicherer. Und Bitter zeigte, warum er ein Großer ist. Nachdem er in der Anfangsphase kaum einen Ball zu fassen bekommen hatte, biss er sich nun in die Partie hinein und startete seine beeindruckende Paraden-Parade. Vorne agierte der TVB mit viel Spielwitz – und drehte die Partie. Michel Schweikardt, der gut die Fäden zog, traf zum 12:12 und 14:12 für den TVB (26./27.), dazwischen war Teo Coric erfolgreich. In Unterzahl erzielte Lobedank das 16:13, beim 16:14 ertönte die Halbzeitsirene.

Schimmelbauer sorgt für Entlastung

Danach gab’s eine Überraschung: Tobias Schimmelbauer, seit Wochen verletzt, kam zu Kurzeinsätzen beim TVB und sorgte für Entlastung. Bei FA wechselte Prost für Rutschmann ins Tor, trat aber nur selten in Aktion. Zunächst blieb’s eng, dann setzten sich die Gäste langsam ab. Ein wunderbarer Kempa-Treffer von Orlowski, von Schweikardt in Szene gesetzt, bedeutete das 22:17 (43.). Doch nach dem 23:18 (44.) blieb der TVB acht Minuten lang ohne Tor. Dank Bitter und der aufmerksamen Abwehr schmolz der Vorsprung nur langsam, dennoch wurde es wieder spannend. Lobedank traf in der 53. Minute zum 24:22. Es folgte die dramatische Schlussphase – und die Erleichterung beim 26:26-Endstand.

Saisonabschluss auf Platz 14

Der TVB hat die Saison mit 23 Punkten als Fünftletzter auf Platz 14 abgeschlossen, vor Gummersbach (22) und hinter Lemgo (23, bessere Tordifferenz). In der Pressekonferenz war die Stimmung bei den Bittenfeldern äußerst gelöst. Trainer Baur hat eine Wette gewonnen: „Die Punktzahl ist ein bisschen mehr, als wir am Anfang gedacht haben. Das freut mich, weil ich ein Abendessen von meinem Geschäftsführer bekomme. Ich habe gesagt, 20 Punkte reichen in dieser Saison nicht zum Klassenerhalt.“ Jürgen Schweikardt entgegnete trocken: „Glückwunsch zum Abendessen. Das ist heute der einzige Wermutstropfen.“

 

Quelle: Mathias Schwardt, ZVW