Niederlage in Flensburg

Weit weg gewesen von einer Überraschung ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern vor 6270 Zuschauern in der Flens-Arena. Der Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt hatte beim 36:27-Sieg (20:12) wenig Mühe. Der TVB musste kurzfristig auf Michael Kraus, Dominik Weiß und Dragan Jerkovic verzichten. Damit fehlten ihm die Wechselmöglichkeiten.
Der Flensburger Trainer Ljubomir Vranjes hatte im Vorfeld der Partie gegen den TVB davor gewarnt, den Blick jetzt bereits auf das wahrscheinlich entscheidende Match gegen die Rhein-Neckar Löwen, den einzig verbliebenen Meisterschaftskonkurrenten, in elf Tagen zu richten.
Auch der Tatsache, dass sein Team sämtliche drei Vergleiche mit dem TVB klar für sich entschieden hatte (34:19, 28:19 und 46:28), wollte er nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Die Stuttgarter seien kämpferische stark und hätten zuletzt gute Ergebnisse erzielt, ließ der Coach wissen – und zeigte Respekt vor Michael Kraus. Der Spielmacher und beste Torschütze des TVB indes musste – ebenso wie der Torhüter Dragan Jerkovic –, kurzfristig passen: Mit einem Magen-Darm-Infekt blieben beide zu Hause. Auch Dominik Weiß war aufgrund muskulärer Probleme nicht einsatzfähig.
Unter diesen Vorzeichen waren die Chancen auf eine Überraschung von vorneherein sehr gering. Der TVB-Trainer Markus Baur musste unter anderem seinen eingespielten Mittelblock umbauen, Can Celebi rückte an Weiß’ Stelle neben Vio Fotache. Im linken Rückraum musste Marian Orlowski den Alleinunterhalter spielen.
Trotz dieser großen Schwächung hielten die Gäste beim klaren Favoriten 26 Minuten sehr gut mit. Vom schnellen 0:3-Rückstand nach drei Minuten ließ sich der TVB nicht aus der Ruhe bringen. Die Deckung hatte zwar ihre Probleme mit den Schlagwürfen von Rasmus Lauge, der nach acht Minuten für das 6:3 sorgte. Doch der TVB spielte seine – langen – Angriffe geschickt aus. Michael Schweikardt überraschte den SG-Keeper Kevin Moeller mit einem verdeckten Wurf zum 6:5 (10.).
Der beste Bittenfelder, Marian Orlowski, schaffte beim 7:8 den Anschluss (14.). Der TVB überstand sogar eine doppelte Unterzahl und war beim 8:10 (16.) weiter dran. In der Folge spielten die Flensburger immer wieder ihre starke Außen Hampus Wanne und Lasse Svan frei, Jogi Bitter bekam dabei nur wenige Würfe zu fassen. Beim 12:8 (18.) hatte sich die SG erstmals ein größeres Polster erspielt, Kentin Mahé legte zum 14:9 nach. Der TVB verkürzte durch Schweikardt noch einmal auf drei Tore (12:15/26.), dann jedoch nutzte Flensburg eine unkonzentrierte Phase der Gäste zu einem 5:0-Lauf. Beim 20:12 zur Halbzeit war die Frage nach dem Sieger bereits beantwortet.
In den zweiten 30 Minuten ging es für den TVB lediglich noch darum, größeren Schaden abzuwenden und die Trefferdifferenz nicht allzu sehr zu verschlechtern. Die Gäste mühten sich, litten freilich mehr und mehr unter ihren geringen Wechselmöglichkeiten. Beim 25:15 durch Rasmus Lauge (36.) war der Rückstand erstmals zweistellig. Die Flensburger nutzten nun ihre starke Bank und ihre technische Überlegenheit. Der TVB hielt so gut es eben ging dagegen. Allen voran Orlowski sorgte dafür, dass sich die Niederlage einigermaßen in Grenzen hielt.
Am Ende schaffte es das Team von Trainer Markus Baur immerhin, beim 27:36 eine zweistellige Schlappe zu verhindern. Viel mehr war an diesem Abend unter diesen bescheidenen Voraussetzungen gegen den wahrscheinlich kommenden deutschen Meister nicht drin.
Viel besser als der TVB zog sich dessen Abstiegskonkurrent gestern aus der Affäre: Der Bergische HC schnupperte bei der 28:31-Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen an der Sensation.
Der TVB muss nun hoffen, dass Kraus, Weiß und Jerkovic beim so wichtigen Spiel am Samstag in Lemgo wieder auf dem Damm sein werden.
SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Moeller; Karlsson, Mogensen (1), Svan (4), Wanne (5), Jakobsson (2), Heinl (2), Zachariassen, Toft Hansen (3), Gottfridsson (6), Lauge (6/3), Mahé (6/3), Bult, Radivojevic (1).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Mathes; Schimmelbauer (1), Lobedank (2), Schagen (4/2), Schweikardt (4/1), Coric (3), Baumgarten (2), Fotache, Kretschmer, Orlowski (8), Celebi (3).