Den Primus möglichst lange ärgern

Einen der anvisierten sechs Punkte aus acht Spielen haben sich die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart in Hannover geholt. Bevor’s am Samstag zum Showdown beim Konkurrenten TBV Lemgo kommt, geht’s diesen Mittwoch für den TVB zum Liga-Primus in den hohen Norden: Die SG Flensburg-Handewitt hat glänzende Aussichten auf den zweiten Meistertitel nach 2004.

Auf der Saison-Zielgeraden bekommt es der TVB unter anderem mit dem Ersten, Zweiten und Vierten zu tun. Unter normalen Umständen dürfte es für das abstiegsbedrohte Team von Trainer Markus Baur in diesen ungleichen Partien vornehmlich darum gehen, größeren Flurschaden zu verhindern.

Die – noch – ordentliche Trefferdifferenz nicht versaubeuteln

Sprich: Der TVB sollte sich die – noch – ordentliche Trefferdifferenz nicht versaubeuteln. Die Gegner dagegen werden versuchen, den Underdog ordentlich durchzuschütteln. Schließlich könnte, wie im Abstiegskampf, auch im Rennen um die vorderen Plätze am Ende die Tordifferenz ausschlaggebend sein.

Gleich um 46 Treffer besser als der einzig verbliebene Titelkonkurrent, die Rhein-Neckar Löwen, steht der kommende TVB-Gegner da. Die SG Flensburg-Handewitt hat zwar einen Verlustpunkt mehr auf dem Konto als die Löwen, kann sich aber die zweite deutsche Meisterschaft aus eigener Kraft sichern: Am 28. Mai steigt in der Flens-Arena das wahrscheinlich entscheidende Match gegen die Mannheimer. Bis dahin freilich muss sich das Team von Trainer Ljubomir Vranjes in den Partien gegen den TVB 1898 Stuttgart und beim Aufsteiger HC Erlangen schadlos halten.

Bemitleidenswerter Sparringspartner im Hinspiel

Im Hinspiel war der TVB nicht mehr als ein bemitleidenswerter Sparringspartner für die Flensburger, die das Team von Trainer Markus Baur vor 6211 entsetzten Fans in der ausverkauften Porsche-Arena beim 48:28 nach allen Regeln der Kunst auseinandernahmen. „Da sind wir zusammengefallen“, sagt Baur. Ein ähnliches Waterloo soll’s an diesem Mittwoch (19 Uhr) nicht geben. Als Mutmacher dienen dem TVB die hauchdünnen Niederlagen bei den Top-Teams in Kiel und Magdeburg – und das 24:24-Remis in Hannover zuletzt.

Zweimal hatte der TVB mit fünf Toren im Hintertreffen gelegen – beim 5:10 und 18:23. Im ersten Spielabschnitt (9:12) scheiterte er vornehmlich an Keeper Martin Ziemer. „In der Halbzeit gab’s schon hängende Köpfe“, sagt Baur. Er habe versucht, seinen Spielern Mut zuzusprechen. „Ich hab’ ihnen gesagt, es geht wieder bei null los.“ Zudem habe er darauf hingewiesen, dass Ziemer in einigen Spielen zuvor oft nur in der ersten Halbzeit gut gehalten habe.

Bloß nicht wieder in Flensburger Konter laufen

Und tatsächlich spielte der TVB, nun meist mit Michael Schweikardt und Michael Kraus im Rückraum, mit mehr Tempo und Bewegung sowie deutlich zielstrebiger – und wurde mit einem Punkt belohnt. „Natürlich gehört auch ein wenig Glück dazu“, sagt Baur. Unter anderem bei der finalen Aktion, als die Schiedsrichter statt auf Stürmerfoul auf Siebenmeter für den TVB entschieden. „Da hätte ich mich auch aufgeregt“, gibt Baur zu, der sich unter anderem über die starke Leistung von Marian Orlowski und Simon Baumgarten freute.

Durch den Punktgewinn blieb der TVB über dem Strich. Nur knapp allerdings, weil die ersatzgeschwächten Balinger die Leipziger bezwangen. Nur mit drei Toren Differenz musste sich der Vorletzte TBV Lemgo in Flensburg geschlagen geben und zeigte ebenfalls eine forsche Leistung. Ähnlich viel Widerstand möchte der TVB-Trainer Markus Baur von seinen Spielern beim Liga-Primus sehen.

„Man braucht eine gute Torhüterleistung“

„Lemgo hat in Flensburg das gemacht, was man machen muss: lange Angriffe spielen und gut decken“, sagt Baur. „Und man braucht eine gute Torhüterleistung.“ Die Defensive stand zuletzt gut beim TVB, vorne indes fehlten meist die Ideen und die Zielstrebigkeit.

Mit sicherem Angriffsspiel möchte Baur die Flensburger, deren Spiel auf Tempo ausgelegt sei, zu Fehlern verleiten. Unter keinen Umständen dürfe die SG zu Gegenstößen eingeladen werden. Wie das ausgehen kann, zeigte das Hinspiel. „Wir haben uns drei, vier Dinge überlegt, wie wir Flensburg ein bisschen ärgern können“, sagt Baur. Doch selbst wenn sein Team ein gutes Spiel zeige, sei eine zweistellige Niederlage drin angesichts der individuellen Stärke des Gegners. „So ehrlich muss man zu sich selbst schon sein.“

Individuell ist der TVB deutlich unterlegen

Natürlich ist der Kader der Flensburger durchweg mit Nationalspielern bestückt – und glänzt mit einer enormen Breite. Die braucht das Vranjes-Team auch, schließlich ist die Belastung durch die vielen internationalen Einsätze enorm hoch. Nicht mithelfen im Saisonendspurt kann Holger Glandorf (Daumenbruch). Gegen Lemgo ersetzte ihn Johan Jakobsson – und wie: Der Schwede traf elfmal.

Mit Anders Eggert und Lasse Svan hat die SG eines der weltbesten Gespanne auf den Flügeln und mit Tobias Karlsson einen der gefürchtesten Abwehrspieler überhaupt. Auf der Spielmacherposition tummeln sich Kentin Mahé, Thomas Mogensen und Jim Gottfridsson. Auf den Halbpositionen kann Vranjes zwischen Petar Djordjic und Rasmus Lauge (links) sowie Johann Jakobsson und Mark Bult (rechts) wählen. Stets Verlass ist auf das Torhütergespann Mattias Andersson/Kevin Möller.

Individuell ist der TVB also deutlich unterlegen. Aber immerhin kann er in der voraussichtlich mit 6300 Zuschauern ausverkauften Flens-Arena bis auf den Langzeitverletzten Djibril M’Bengue in Bestbesetzung antreten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW