TVB schnuppert wieder an der Überraschung

Viel hat gestern nicht gefehlt und dem Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart wäre die Überraschung gelungen. Vor 6034 Fans unterlag der TVB beim jetzt seit 18 Spielen ungeschlagenen SC Magdeburg mit 26:27 (14:14). Am Ende machten der SCM-Keeper Jannick Green und der zwölffache Torschütze Michael Damgaard den Unterschied, beim TVB traf der starke Marian Orlowski achtmal.

Mit einem Erfolg des TVB bei der aktuell erfolgreichsten deutschen Mannschaft hatte kaum einer gerechnet – schon gar nicht nach dem schwachen Auftritt bei der 18:28-Niederlage gegen die HSG Wetzlar zuletzt. Doch von einer allgemeinen Verunsicherung war in der Getec-Arena nichts zu spüren, der Außenseiter zeigte eine couragierte Leistung. Bitter indes war, dass er für seinen Aufwand – wie schon beim 24:25 in Kiel – nicht mit dringend notwendigen Punkten belohnt wurde. Dennoch: Die Leistung in Magdeburg dürfte dem TVB wieder Selbstvertrauen eingehaucht haben für die kommenden Aufgaben.
Ohne die verletzten Linkshänder Djibril M’Bengue und Felix Lobedank, aber mit den angeschlagenen Simon Baumgarten und Michael Schweikardt trat der TVB in Magdeburg an – und setzte den Tabellenfünften gleich unter Druck. Den 2:4-Rückstand nach sechs Minuten drehte das Team von Trainer Markus Baur zur 5:4- und 6:5-Führung (14.). Bobby Schagen zeigte sich zweimal nervenstark vom Siebenmeterstrich, der TVB-Keeper Jogi Bitter dagegen parierte die ersten beiden Strafwürfe von Robert Weber.
Michael Kraus brachte sein Team beim 7:6 (16.) und 8:7 (19.) in Vorteil. Es entwickelte sich ein flottes, ausgeglichenes Spiel. Den zwischenzeitlichen knappen Rückstand egalisierte Marian Orlowski, der im linken Rückraum ein starkes Spiel zeigte, zum 9:9 und 11:11. Der TVB versuchte, die Magdeburger mit geduldigem Angriffsspiel aus der Reserve zu locken und zu Fehlern zu verleiten, was ihm des öfteren gelang.
Fünf Minuten vor der Pause schickten die Schiedsrichter Lutz Pittner und Christian Moles nacheinander Tobias Schimmelbauer und Vio Fotache für zwei Minuten auf die Strafbank. Doch auch diese missliche Lage überstanden die Gäste sehr gut. Finn Kretschmer markierte von Halbrechts den 14:14-Halbzeitstand.
Der TVB kam konzentriert aus der Pause zurück. Orlowski und Can Celebi besorgten beim 16:14 die erste Zwei-Tore-Führung, ehe Magdeburg die zweite Zeitstrafe gegen Schimmelbauer zum 17:17-Ausgleich nutzte. Der TVB ließ jedoch nicht locker, holte sich durch Orlowski beim 19:18 den Vorteil zurück (38.). Der Halblinke setzte in doppelter Unterzahl beim 20:19 (42.) für den TVB den nächsten Wirkungstreffer. Dann lief der Magdeburger Michael Damgaard zu großer Form auf. Der dänische Nationalspieler, der bis dahin bereits sechsmal getroffen hatte, erzielte von den folgenden fünf Toren des SCM deren vier. Beim 24:22 (49.) lag der Favorit erstmals seit dem 4:2 wieder mit zwei Toren vorne. Nachdem Schagen auch seinen fünften Siebenmeter zum 23:24-Anschluss versenkt hatte, war wieder alles drin für die Gäste – zumal Magdeburg seine erste Zeitstrafe absitzen musste. Der Vorteil indes war nach 30 Sekunden dahin, da auch Dominik Weiß auf die Strafbank musste. Damgaard sah die Lücke und traf mit seinem elften Tor zum 25:23 (51.) für den SCM, der in den letzten zehn Minuten in Jannick Green den zweiten Matchwinner hatte. Erst scheiterte Schagen am dänischen Nationalkeeper, dann vertändelte Fotache den Ball. Robert Weber legte zum 26:23 nach und im Anschluss blieb Green auch gegen Orlowski Sieger. Damgaards 27:23 bedeutete viereinhalb Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung. Der TVB kämpfte bis zum finalen Ball. Fotaches Anschlusstreffer zum 26:27 elf Sekunden vor der Sirene kam aber zu spät.
SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (1), van Olphen, Bagersted, Grafenhorst (3), Christiansen (2), O’Sullivan, Bezjak (1/1), Weber (4), Damgaard (12), Zelenovic (4/3), Lemke.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Weiß, Schagen (6/5), Schweikardt, Kraus (7), Coric, Baumgarten, Fotache (1), Kretschmer (2), Orlowski (8), Celebi (2).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW