Bittenfeld knackt den Spitzenreiter

6211 Handball-Fans in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena haben gestern den TV Bittenfeld ausgiebig gefeiert: Der Tabellenzweite der 2. Bundesliga zwang in einem intensiven und über weite Strecken hochklassigen Spiel den Spitzenreiter SC DHfK Leipzig mit 32:28 (17:15) in die Knie. Der TVB näherte sich Leipzig in der Tabelle bis auf zwei Punkte.

Richard Sundberg musste sich die letzten zehn Minuten des Spitzenspiels von der Tribüne aus ansehen. Der bisweilen etwas ungestüm zu Werke gehende Finne war nach der dritten Zeitstrafe disqualifiziert worden, und beim 26:24 hatte der TVB noch ein paar bange Minuten zu überstehen. Entsprechend erleichtert war Sundberg nach der Schlusssirene, schnappte sich die überdimensionale Bittenfeld-Fahne und sprintete übers Spielfeld.

Dort hatten sich der Tabellenzweite und der Liga-Primus 60 Minuten lang ein spannendes Match geliefert, in dem unterm Strich die besseren Alternativen das Pendel zugunsten des TV Bittenfeld 1898 ausschlug. So unterstrichen der TVB-Neuzugang Nils Kretschmer und Djibril M’Bengue, wie wichtig sie für Bittenfeld sind. In den entscheidenden Situation setzten die beiden Akzente. Und dann war da natürlich noch der Torhüter Dragan Jerkovic (39), der vor allem in der Schlussphase starke Szenen hatte.

Beide Teams legten vor der stimmungsvollen Kulisse und unter den Augen des DHB-Präsidenten Bernhard Bauer ein enormes Tempo vor. Den Gästen war zunächst nicht anzumerken, dass ihnen mit Linkshänder Max Emanuel, Torjäger Philipp Weber und Abwehrstratege Bastian Roschek drei Stammspieler fehlten. Angeführt vom abgezockten Spielmacher Philipp Pöter, setzten die Leipziger die Bittenfelder Deckung unter Druck. Luca Krzikalla legte per Konter nach sieben Minuten zum 6:4 für Leipzig vor. Lars Friedrich, der erneut aufsteigende Form bewies, glich mit einem Doppelpack aus.

Und nach der 8:7-Führung durch den sicheren Siebenmeterschützen Michael Schweikardt (15.) fand der TVB besser in die Partie. In Unterzahl gelangen ihm zwei Treffer, beim 11:8 (18.) legte der Gästetrainer Christian Prokop die grüne Karte auf den Tisch. Das Heimteam blieb dennoch spielbestimmend – allerdings nur für vier Minuten. Recht leichtfertig verspielte es die 14:10-Führung, kassierte vier Treffer infolge zum 14:14. Dank Nils Kretschmers erstem Tor für die WILD BOYS zum 15:14 und dem fulminanten Djibril M’Bengue geriet der TV Bittenfeld 1898 jedoch nicht in Rückstand und ging mit einer Zwei-Tore-Führung (17:15) in die Halbzeit.

Nach der Pause erreichte das Spiel nicht mehr ganz das spielerische Niveau des ersten Abschnitts. Kampf um jeden Zentimeter war nun angesagt, spannend und interessant indes blieb die Partie allemal. Dabei hatten die nicht immer ganz souveränen Schiedsrichter Thomas Hörath und Timo Hofmann bisweilen etwas Probleme, die Übersicht zu behalten.

Leipzig kämpfte sich mehrmals bis auf ein Tor heran (18:17, 19:18, 20:19). Der TVB schaffte es nicht, einen größeren Vorsprung herauszuarbeiten, biss sich vor allem am starken Mittelblock Alen Milosevic/Philipp Pöter die Zähne aus. Leipzig nahm in Unterzahl den Torhüter zugunsten eines Feldspielers vom Feld und blieb so dran – auch, weil sich der TVB etliche unnötige Zeitstrafen leistete.

Nils Kretschmers Treffer zum 25:21 (47.) verschaffte Bittenfeld etwas Luft. Leipzig blieb aber dran, war vor allem über den Kreis gefährlich. Nachdem Jerkovic beim 27:25 (52.) einen Strafwurf von Pöter pariert hatte, schlug M’Bengue zweimal zu zum 29:25 (56.). Während Pöter & Co. in der Schlussphase der Dampf ausging, hatte der TVB noch Reserven. Tobias Schimmelbauer machte zwei Minuten vor dem Ende in Unterzahl mit dem 31:27 alles klar. Zu diesem Zeitpunkt feierten die Fans schon ausgiebig den Sieg gegen den Tabellenführer.

TV Bittenfeld 1898:
Müller, Jerkovic – Schimmelbauer (4), Schöbinger, Kienzle, Nils Kretzschmer (3), Weiß (5), Schweikardt (5/4), Friedrich (5), M’Bengue (4), Baumgarten (2), Sundberg, Seiz (1/1), Finn Kretschmer (3).

SC DHfK Leipzig:
Tovas, Storbeck – Naumann (2), Semper (1), Streitenberger, Krzikalla (4), Pöter (8/4), Oehlrich (2), Binder (4), Greß (2), Boese (2/2), Jungemann, Milosevic (2), Pechstein (1).