TVB zerlegt Essen – Fans feiern M’Bengue

Es hat alles gepasst am Freitagabend in der Stuttgarter SCHARRena: 1.898 Fans feierten die WILD BOYS beim 37:17-Sieg (16:8) gegen TUSEM Essen mit der La Ola. Der TVB zeigte eine Woche vor dem Top-Spiel gegen den Spitzenreiter Leipzig eine klasse Leistung. Ein tolles Comeback nach seiner Verletzungspause gab Djibril M’Bengue.

Die Bittenfelder hatten Respekt vor dem Gegner, immerhin war TUSEM Essen mit der fünftbesten Abwehr nach Stuttgart angereist. An der kompakten Defensive um den Mittelblock Michael Hegemann und Paul Trodler hatte sich schon so mancher Gegner die Zähne ausgebissen. Gestern Abend indes wussten die Gäste spätestens nach einer Viertelstunde nicht mehr, welchem Bittenfelder sie die meiste Aufmerksamkeit schenken sollten. Die Partie entwickelte sich zum Desaster für die bedauernswerten Essener.

Mittendrin stand Dennis Szczesny. Der Neu-Essener hatte sich seine Rückkehr nach Stuttgart sicher anders vorgestellt. In seinem vierten Spiel nach dreimonatiger Verletzungspause mühte sich der Ex-Bittenfelder nach Kräften, blieb aber glück- und chancenlos wie seine Kollegen.

Die WILD BOYS starteten konzentriert, spielten ihre Angriffe klug aus und führten nach sieben Minuten mit 5:2. Dann leisteten sie sich eine kurze Schwächephase, welche Essen per Konter durch seine schnelle Außen Lasse Seidel und Peter Hornyak zum 5:5-Ausgleich nützte (12.).

Der TVB, bei dem der Neuzugang Nils Kretschmer bereits nach elf Minuten sein – ordentliches – Debüt feierte, blieb jedoch kühl. Die Gäste demonstrierten, weshalb sie die wenigsten Treffer aller Zweitliga-Teams erzielt haben: Der Rückraum um den ehemaligen Nationalspieler Hegemann agierte ohne Durchschlagskraft. Die Würfe landeten entweder im Fangnetz oder beim sehr guten Bittenfelder Keeper Dragan Jerkovic.

Aufpassen musste der TVB lediglich bei Kontern, ansonsten hatte die Defensive um Abwehrchef Florian Schöbinger alles im Griff. Mit sechs Toren infolge zog das Heimteam auf 11:5 davon (22.) und legte zum 16:8 zur Halbzeit nach. Den Gästen gelangen vor der Pause lediglich vier Treffer aus dem Positionsangriff.

Großen Anteil am komfortablen Vorsprung hatte einer, der nach 24 Minuten sein Comeback feierte – und wie: Djibril M’Bengue zeigte sich für die letzten drei Tore des TVB bis dahin verantwortlich. Mit dem Acht-Tore-Rückstand war der TUSEM noch gut bedient, denn mit Sebastian Bliß stand der beste Essener im Tor.

Die Bittenfelder hätten es in den zweiten 30 Minuten etwas ruhiger angehen lassen können – sie legten jedoch eine Schippe drauf und spielten phasenweise furios. Der Essener Trainer Mark Dragunski brachte Justin Mürköster für Trodler am Kreis, Carlos Donderis Vegas im Tor und Jonas Ellwanger auf Rückraum-Mitte. Letzterer ließ hin und wieder sein Talent aufblitzen, ohne jedoch den TVB vor nennenswerte Probleme zu stellen. Nach 39 Minuten war der Tabellenzweite auf 23:9 enteilt, die Abwehr der Gäste zeigte Auflösungserscheinungen.

Trainer Jürgen Schweikardt wechselte munter durch, ließ in allen möglichen Formationen spielen. Auf den Spielfluss wirkte sich dies ebenso wenig negativ aus wie aufs Resultat. Im Gegenteil: Es funktionierte fast alles, dabei fielen dem TVB bisweilen auch die Abpraller in die Hände.

Beim 29:11 versuchte Dragunski den Schwung der Bittenfelder mit einer Auszeit zu bremsen. Mit dem Ergebnis, dass das Debakel in den letzten zwölf Minuten keine wesentlich schlimmeren Ausmaße annahm. Bei den 20 Toren Differenz nach Michael Seiz’ 33:13 (52.) blieb’s am Ende (37:17). Symptomatisch für den unglücklichen Auftritt der Essener war der finale Siebenmeter, den der überragende Jerkovic vier Sekunden vor dem Ende parierte.

Die Fans feierten ihren TVB hernach minutenlang und dürfen sich auf den zweiten Weihnachtsfeiertag freuen. In dieser Form werden die Bittenfelder dem Liga-Primus SC DHfK Leipzig einen heißen Tanz bieten.

TV Bittenfeld 1898:
Müller, Jerkovic – Schimmelbauer (5), Schöbinger (2), Kienzle (3), Nils Kretschmer, Weiß (6), Schweikardt (1), Friedrich (5/1), Baumgarten, Sundberg (1), Seiz (4), Finn Kretschmer (3), M’Bengue (7).

TUSEM Essen:
Vegas, Bliß – Ellwanger (3), Keller, Hegemann (3/1), Hansen, Seidel (3), Hornyak (4), Schetters (2), Szczesny, Ridder, Trodler (2), Mürköster.