Schwache Bittenfelder im letzten Heimspiel

Den schwächsten Auftritt in der Stuttgarter Porsche-Arena haben die Bittenfelder Zweitliga-Handballer gestern Abend gezeigt. 5050 Zuschauer waren nach der ebenso überraschenden wie verdienten 21:28-Niederlage (12:13) gegen den Viertletzten EHV Aue bitter enttäuscht. Für den TVB war’s die erste Heimniederlage, für den EHV der erste Auswärtssieg in dieser Saison.

Aus Bittenfelder Sicht hatte der erste Spieltag der Rückrunde einen einzigen positiven Aspekt: Neuhausen und Korschenbroich patzten ebenfalls, deshalb bleibt der TVB auf dem dritten Platz. Nach der desolaten Leistung gestern Abend gehören die Bittenfelder da allerdings nicht hin.

Über 5000 Fans wollten Weihnachten mit einem Sieg des TVB beschließen, nach Hause gingen sie größtenteils kopfschüttelnd. Dank einer einigermaßen stabilen Deckung in den ersten 30 Minuten war die Hoffnung noch groß gewesen, der TVB könnte den 12:13-Pausenrückstand drehen. Doch anders als in vielen Spielen zuvor ging im zweiten Spielabschnitt noch weniger zusammen. Vorne fehlte der Esprit, und die Deckung fiel bisweilen in ihre Einzelteile auseinander. Hinzu kam die schwache Siebenmeterausbeute: Von acht Strafwürfen fand nur die Hälfte den Weg ins Tor.

Die taktische Ausrichtung des EHV Aue war klar: Mit langen Angriffen versuchten die Gäste, die Bittenfelder 6:0-Deckung einzulullen und warteten geduldig auf ihre Wurfchance. Das Spiel begann zwar äußerst zäh, doch nach Tobias Schimmelbauers Treffer zum 5:3 nach neun Minuten schien alles seinen erwarteten Gang zu nehmen.

Allerdings offenbarten die Bittenfelder bereits zu diesem frühen Zeitpunkt im Angriff eklatante Konzentrationsschwächen. Unplatzierte und unvorbereitete Würfe, vor allem von den Halbspielern Jan Forstbauer und Dominik Weiß, waren gleich reihenweise Beute von Timo Meinl. Nach 18 Minuten stand ein mageres 6:6 auf dem Anzeigewürfel der Porsche-Arena. Der Torhüter des EHV Aue hatte bis dahin schon eine Quote von über 50 Prozent.

Auch in Überzahl war der TVB unsortiert

Nach dem 7:9 (22.) zog der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt die Auszeit-Karte. Am lethargischen und fehlerbehafteten Spiel seines Teams änderte dies jedoch wenig. Nach einer Zeitstrafe gegen den Gästespieler Carlo Wittig schaffte Jürgen Schweikardt den 12:12-Ausgleich (29.). Symptomatisch für die Schlafmützigkeit des TVB war die Art und Weise, wie Aue zur 13:12-Halbzeitführung kam: Eric Meinhardt wackelte die Deckung aus, im Gegenzug jagte Arnor Gunnarsson den Ball freistehend in Richtung Tribüne.

Trotz einer sehr durchwachsenen Leistung waren wohl die wenigsten Bittenfelder Fans besonders beunruhigt. Schließlich war der TVB in den jüngsten Spielen fast immer in den zweiten 30 Minuten so richtig auf Touren gekommen.

Als Aue nach drei Zeitstrafen binnen zwei Minuten fünf Minuten in Unterzahl agieren musste, hatte der TVB die große Chance zur Führung. Doch mehr als das 15:15 durch Alexander Heib sprang nicht heraus – im Gegenteil: Die Bittenfelder waren plötzlich völlig von der Rolle. Der EHV Aue witterte die Chance auf seinen ersten Auswärtssieg und holte sich innerhalb von sieben Minuten mit einem 6:0-Lauf die 21:15-Führung (42.).

Während bei den Gästen nun nahezu jeder Wurf das Ziel fand und Janar Mägi immer mehr Freiheiten genoss, waren die Fehlwürfe und technische Fehler beim TVB kaum noch zu zählen. Und Meinl zog die Bälle weiterhin magisch an.

Beim 17:22 scheiterten Schweikardt und Gunnarsson zweimal hintereinander mit einem Siebenmeter (48.). Noch schlimmer indes: Der Wille, dem Spiel noch eine Wende zu geben, war nicht mehr zu spüren. Dabei feuerten die 5050 Zuschauer ihre Mannschaft nach Leibeskräften an.

Die vergebenen Strafwürfe steigerten offensichtlich noch den Frust beim TVB-Team. Die Gäste erzielten vier Tore in Folge zum 26:17 und die Bittenfelder schlitterten ungebremst in ein Heimdebakel – und das gegen einen eher durchschnittlichen Gegner.

Am Ende feierte der abstiegsgefährdete EHV Aue einen verdienten 28:21-Sieg. Für den TV Bittenfeld müsste es mal wieder ein warnendes Zeichen sein, dass in dieser Saison tunlichst kein Gegner unterschätzt werden sollte. Auch nicht in heimischer Umgebung. Vor der WM-Pause im Januar hat der TVB übermorgen die Chance, die gestern verlorenen Punkte zurückzuholen. Sollte der TVB indes eine ähnliche Leistung zeigen, muss der ThSV Eisenach nicht zittern.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann, Schmidl; Schimmelbauer (2), Schöbinger (1), Forstbauer, Weiß (2), Schweikardt (4/2), Gunnarsson (2/1), Heib (5/1), Baumgarten (3), Wehner (2).

EHV Aue: Skabeikis, Meinl; Schäfer, Meinhardt (1), Roch (1), Agnarsson (3), Mägi (10), Vesely (9/6), Sillanpää, Uematsu (2), Wittig, Matschos (1), Rothenburger (1).