Das Ziel bleibt unverändert: 40 Punkte

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat zur Saisonhalbzeit seinen dritten Platz aus der vergangenen Saison bestätigt. Bekommt er die beiden Punkte am Grünen Tisch tatsächlich, hat er sogar zwei Zähler mehr auf dem Konto. „Unser Ziel sind nach wie vor 40 Punkte“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. Damit wäre die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga geschafft.

Ein Hauen und Stechen war vor dieser für alle Vereine so richtungsweisenden Saison prognostiziert worden. Und tatsächlich ging’s bisweilen hart zur Sache an den ersten 17 Spieltagen. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch vor den Gerichten. Der „Fall Pekeler“ erhitzte wochenlang die Gemüter und ist noch immer nicht abgeschlossen. Geklärt werden muss, ob Hendrik Pekeler nach seiner Sperre zu früh eingesetzt wurde (wir haben berichtet). Das Bundessportgericht hat dem Bergischen HC jedenfalls sechs Punkte abgezogen und im Gegenzug jeweils zwei dem TV Bittenfeld, dem HSC Coburg und der HSG Frankfurt zugesprochen. Der Bergische HC ist in die Revision gegangen. Wann das endgültige Urteil gesprochen wird, ist ungewiss.

In der – halboffiziellen – Halbzeittabelle haben die Löwen sechs Punkte weniger auf dem Konto, was dem TV Bittenfeld mit 24:10 Punkten den dritten Platz beschert. Ob mit oder ohne die beiden Zähler am Grünen Tisch: TVB-Trainer Günter Schweikardt ist zufrieden mit der Hinrunde. Immerhin liegt der TVB – mindestens – sieben Punkte vor dem Zehnten HG Saarlouis. Der müsste nach dem derzeitigen Stand in die Relegationsspiele gegen die zwei Staffelsieger der 3. Liga.

Für Schweikardt sind die 24 oder 22 Punkte eine gute Basis für die Rückrunde – „aber längst keine Garantie“. 40 Punkte, so glaubt er, müssten am Ende für den sicheren neunten Platz und damit die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga reichen. In der vergangenen Saison hatte der TV Korschenbroich mit 34:34 Punkten diesen Rang belegt.

Mitunter war’s ein stetes Auf und Ab, bis der TVB die 24 Punkte zur Halbzeit gesammelt hatte. Besonders zu Beginn der Saison schwankten die Leistungen. „Es gibt ja vor jeder Runde eine gewisse Unsicherheit, wie stark man ist“, sagt Schweikardt. Zumal der TVB nach dem dritten Platz in der vergangenen Spielzeit eine schwere Hypothek zu tragen hatte. Die 30:35-Auftaktniederlage in Aue trug nicht eben zum Selbstvertrauen bei. Umso wichtiger war für Schweikardt der anschließende 35:29-Sieg gegen die ambitionierten Eisenacher – dabei war der TVB personell arg gebeutelt.

Unglücklich durch einen Siebenmeter in der Schlusssekunde verloren die Bittenfelder beim überraschend starken Halbzeitmeister TV Hüttenberg (24:25). Auf den souveränen 35:22-Sieg gegen Erlangen folgte die 27:34-Niederlage beim Vorjahres-Vizemeister Bergischer HC. Nach 36 Minuten hatte der TVB noch mit 19:18 geführt.

Nach den beiden Heimsiegen in Folge gegen Saarlouis mit viel Dusel (42:41) und ungefährdet gegen Coburg (32:26) hatte der TVB zum ersten Mal in dieser Saison ein positives Punktekonto (8:6). Auf eine der schwächsten Leistungen beim 33:35 in Frankfurt ließ der TVB eine sehr starke folgen gegen den Erstliga-Absteiger HSG Düsseldorf (29:26). In der dritten DHB-Pokalrunde hielten die Bittenfelder den übermächtigen Erstligisten Rhein-Neckar Löwen 30 Minuten in Atem (18:20), mussten sich aber mit 28:39 beugen.

Im fünften Anlauf in der Fremde gab’s beim 26:21 in Groß-Bieberau den ersten Sieg. „Das war sicher ein Knackpunkt in der Saison“, sagt Schweikardt. „Wir haben gemerkt, wir können’s noch.“ Beim ersten Auftritt in der Porsche-Arena ließ der TVB dem Aufsteiger SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen keine Chance (38:29), dann kehrte der TVB mit der höchsten Niederlage (28:36) aus Korschenbroich zurück.

Nach drei Siegen in Folge, unter anderem zum zweiten Mal auswärts beim damaligen Tabellenzweiten TV Neuhausen/Erms (29:25), folgte mit dem 32:37 bei Aufsteiger TV Groß-Umstadt die nächste Enttäuschung. Umso überraschender war die überzeugende Vorstellung des TVB beim 32:29-Derbysieg gegen Bietigheim vor 6000 Fans in der Porsche-Arena.

Trotz der überwiegend positiven Erlebnisse in der Hinrunde und nur zwei Punkten Rücktand auf Rang zwei: Für Schweikardt gibt’s keinen Grund zum Träumen. Der TVB sei immer gut damit gefahren, zwar langfristig zu planen, sich aber schrittweise auf die aktuellen Aufgaben zu konzentrieren. „Wir haben in der Rückrunde ganz, ganz schwere Spiele vor der Brust“, sagt der Trainer. Sich ausschließlich auf die Heimstärke zu verlassen, wäre fatal.

Achtmal darf der TVB in der heimischen Gemeindehalle oder in der Porsche-Arena antreten. „Dabei haben wir einige der vorderen Mannschaften zu Gast“, sagt Schweikardt: beispielsweise Hüttenberg, den Bergischen HC oder den TV Neuhausen/Erms. Und auch auswärts warten mit Eisenach, Düsseldorf und Bietigheim sehr starke Teams.

Außer den 40 Punkten wünscht sich Günter Schweikardt noch etwas anderes: „Wir müssen lernen, in einem Spiel über 60 Minuten hinweg stabiler zu werden.“ Auffallend oft kamen die Bittenfelder in der Hinrunde nur mühsam in die Gänge und entschieden die Spiele erst in den zweiten 30 Minuten.

Das kostet Kraft – und schont nicht eben die Nerven der Trainer und Zuschauer.