Bittenfelder Fest vor 6200 Zuschauern

Der TV Bittenfeld hat Weihnachten in der Stuttgarter Porsche-Arena zu einem Handball-Fest gemacht. Im Zweitliga-Spitzenspiel bezwang das Team vor der sensationellen Kulisse von 6200 Zuschauern die favorisierte TSG Friesenheim klar mit 31:25 (16:11). Herausragend beim spielfreudigen und kampfstarken TVB waren der fast unüberwindbare Torhüter Bastian Rutschmann, Rückraumschütze Dominik Weiß sowie Rechtsaußen Marco Hauk.

Der Bittenfelder Keeper ist auf dem Feld ein unerschöpfliches Energiebündel. Gegen Friesenheim kam er aus dem Fäusteballen gar nicht mehr heraus, seine unkontrollierten Freudenschreie waren trotz der Flugzeug-Laustärke in der ausverkauften Halle bis unters Dach zu hören. Mit zahllosen Paraden, reihenweise auch bei freien Würfen, brachte er die Spieler des Tabellenzweiten zur Verzweiflung. Nach der Partie hüpfte Rutschmann mit seinen Mannschaftskollegen minutenlang durch die Arena und konnte sich dann vor Autogramm-Wünschen zumeist junger Fans kaum retten. Blaue Flecken vom Schulterklopfen waren eine weitere Zugabe für den Mann, der nach seiner Verletzungspause erst das dritte Spiel im TVB-Dress absolviert hatte.

Doch so fantastisch die Stimmung beim Team und bei den Zuschauern auch war – der eindrucksvolle Sieg war teuer erkauft. Der Kreisläufer Simon Baumgarten, der trotz einer Muskelverletzung im Oberschenkel für den Dritten der Tabelle spielte, musste mit Verdacht auf einen Innenbandriss im Knie vom Feld.

Erstaunlich war, wie wenig die sonst so starken Friesenheimer den Bittenfeldern entgegenzusetzen hatten. Von Beginn an wirkte die als Aufstiegsfavorit gehandelte Mannschaft, die jüngste der Liga, seltsam gehemmt. Das 0:1 (2.), erzielt durch den Kreisläufer Evgeni Pevnov, war die einzige Führung für die Gäste. Der Russe, der gute Chancen auf einen Platz im russischen A-Nationalteam hat, war einer der wenigen TSG-Spieler, die überzeugten. Andere Stützen der Mannschaft wie Benjamin Matschke dagegen enttäuschten und wirkten seltsam verunsichert. Der Spielmacher erzielte nur einen einzigen Treffer.

Die Abwehr stand sicher und zwang die TSG zu Fehlern

Dass Friesenheim nicht in die Partie kam, war aber auch ein Verdienst des TVB. Alle Spieler waren hellwach und ließen sich von der frenetisch jubelnden Fangemeinde mitreißen. Die Abwehr mit dem ausgezeichneten Ludek Drobek in der Mitte ging aggressiv und aufmerksam zu Werke, ließ fast keine Chancen zu und zwang den Gegner zu Fehlern. Und wenn doch mal ein TSG-Akteur zum Wurf kam, war Rutschmann meist zur Stelle.

Daraus resultierte eine Vielzahl an Tempogegenstößen, die Bittenfeld immer wieder eiskalt zu leichten Treffern nutzte. Besonders gut klappte das zu Beginn der Partie, als sich die Gastgeber schnell bis auf 8:2 absetzten (9.). Jeweils zwei Tore gingen auf das Konto der großartig aufspielenden Marco Hauk und Dominik Weiß.

Besonders Letzterer, in der vergangenen Saison noch in der Landesliga für die SG Schorndorf aktiv, machte ein ganz starkes Spiel. In Phasen, in denen beim TVB der Angriffswirbel etwas stockte, brachte der 2,07-Meter-Hüne die Bittenfelder mit seinen wuchtig erzielten Treffern aus dem Rückraum regelmäßig wieder in die Spur. Insgesamt achtmal versenkte Weiß den Ball im Netz und war damit gemeinsam mit Pevnov der erfolgreichste Werfer.

Dem TVB gelangen mehrere Tore in Unterzahl, während Friesenheim auch mit einem Mann mehr auf dem Feld zu wenig einfiel. In die Pause ging der TVB mit einer klaren 16:11-Führung.

Die TSG hat in dieser Saison schon oft bewiesen, dass sie Spiele noch herumreißen kann. Doch das große Aufbäumen nach der Pause blieb aus. Aber Bittenfeld machte auch nicht den Fehler, das Tempo zu drosseln und Löcher in der Defensive zuzulassen, sondern behielt die Konzentration bei. Der Sieg war nie in Gefahr, näher als bis auf vier Tore kamen die Gäste nicht mehr heran. Und das, obwohl ihr Torhüter Kevin Klier in der zweiten Hälfte ähnlich gute Reflexe zeigte wie Rutschmann. Einzig dem Keeper hatte es die TSG zu verdanken, dass Bittenfeld nicht noch weiter davonzog.

Aber auch so war’s deutlich genug. Zur 40. Minute erzielte der quirlige Alexander Heib den sehenswerten Treffer zum 23:16, eine Minute vor Schluss krönte Drobek seine famose Leistung mit einem seiner seltenen Tore zum 31:23 – die höchste Führung in der Partie.

Das Spiel endete 31:25, die Fans johlten. Bittenfeld hat nun als Tabellendritter noch einen Punkt Rückstand auf Friesenheim. Kaum auszudenken, was möglich ist, wenn der TVB von Februar an so weitermacht wie zum Jahresabschluss in Stuttgart.

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner, Schöbinger (2), Weiß (8), Baumbach (1), Lenz (1), Schweikardt (5/1), Heib (4/1), Baumgarten, Wehner (1), Hauk (6), Rothe (2), Drobek (1)

TSG Friesenheim: Klier; Grimm (7/3), Dietrich, Pevnov (8), Ruß, Matschke (1), Ancsin (2), Veta (1), Becker (3), Dissinger (2), Gaubatz, Zellmer, Müller (1)